INHALT:
MARTYRER DES 20. JAHRHUNDERTS,DIE IN SPANIEN DEN TOD ERLITTEN
BENEDIKT XVI.
HOMILIE VON KARDINAL JOSÉ SARAIVA MARTINS
NEUER SOCIUS FÜR DIE PROVINZEN DER IBERISCHEN HALBINSEL
FEIER DER SELIGSPRECHUNG UNSERER MARTYRER
HOMILIE VON FR. CARLOS A. AZPIROZ COSTA OP
DIE DOMINIKANISCHE FAMILIE FEIERT DIE MARTYRER
NEUER SOCIUS FÜR DIE PROVINZEN IN ITALIEN UND MALTA
WER SIND DIESE, UND WOHER SIND SIE GEKOMMEN? (APK 7, 13)
PREDIGT VON KARDINAL TARCISIO BERTONE
MARTYRER VERBINDEN LOUISIANA MIT SPANIEN
BUENAVENTURA GARCÍA PAREDES (Fortsetzung)
800 JAHRE!
BRIEF DES ORDENSMEISTERS BUENAVENTURA GARCIA DE PAREDES AN DIE ORDENSSCHWESTERN

Der Ordensmeister Fr. Carlos A. Azpiroz Costa O.P. wünscht allen Angehörigen der Dominikanischen Familie zu Weihnachten und zum Neuen Jahr reichen Segen vom Himmel. Mögen wir aufmerksame Hörer der Frohbotschaft und Boten der Freude und des Friedens sein.
MARTYRER DES 20. JAHRHUNDERTS, DIE IN SPANIEN DEN TOD ERLITTEN
Am 28. Oktober 2007 fand in Rom die Seligsprechung von 498 Martyrern des 20. Jahrhunderts statt, die in Spanien den Tod erlitten. Davon gehören 74 der Dominikanischen Familie an. Aus diesem Grund begaben sich viele Pilger nach Rom, um an den verschiedenen Veranstaltungen teilzunehmen. Auf dem Petersplatz versammelte sich eine große Zahl von Gläubigen aus verschiedenen spanischen Gegenden sowie aus anderen Orten in aller Welt.
Über die berechtigte Gefühlsbewegung hinaus, die ein Ereignis dieser Art bei den Teilnehmern und den Zuschauern, die das Geschehen über die Kommunikationsmedien verfolgen, hervorruft, möchte ich über das, was wir gefeiert haben, weiterhin nachdenken. Ich kann mich nicht davon lösen, mit welcher Würdigkeit und Ehrfurcht der größte Teil der Teilnehmer an den Veranstaltungen teilnahmen. Noch leben Blutgeschwister von einigen der Martyrer sowie viele ihrer nächsten Familienangehörigen. Die spanischen Diözesen waren vertreten durch zahlreiche Bischöfe und viele Gläubigen und die verschiedenen Ordensfamilien durch eine große Zahl von Mitgliedern.
Angeregt durch den Glauben, den wir bekennen, wollen wir versuchen, das Verständnis des Martyriums der Seliggesprochenen zu erfassen. Die Glaubenserfahrung lässt uns in der Betrachtung einige Nuancen entdecken: Zum Bekenntnis gehört die Forderung der Treue. Die ersten Christen stießen seitens einiger ihrer Zeitgenossen ebenfalls in nicht wenigen Situationen auf Unverständnis, das sich in Gewalttätigkeit äußerte, und sie wurden mit den Ansprüchen ihres Glaubens konfrontiert.
Wir dürfen andererseits nicht vergessen, dass die Martyrer von gestern und von heute nicht aufgehört haben, von vielen geliebte Personen zu sein. An den kürzlich selig gesprochenen Martyrern können wir aufgrund der geschichtlichen Nähe ihres Todes ihre Jugend und ihren aufbauenden Geist erkennen. Einige von ihnen wurden nicht nur von ihren Angehörigen, sondern auch von den Personen, mit denen sie arbeiteten und denen sie dienten, in besonderer Weise geliebt und geschätzt.
Wer kann heute leugnen, dass der Einsatz für soziale Belange, für Bildung, Gesundheit, seelischen Trost oder die Leidenschaft für die Verbesserung der jeweiligen sozio-ökonomischen Bedingungen, der Arbeitsbedingungen nicht ein anzuerkennender Wert ist? Nun denn, die
selig gesprochenen Martyrer ragen heraus, weil sie ihr Leben für die erwähnten und andere nicht weniger wertvolle Belange eingesetzt haben.
In einigen gesellschaftlichen Bereichen des Landes stellen die sozio-politischen Umstände, auf die sie trafen, die Opportunität der Seligsprechung in Frage. Gewiss, es waren nicht alle das, was sie sind; noch sind alle das, was sie waren. Wegen der Tragik unserer Geschichte wissen wir, dass die Opfer der verschiedenen gesellschaftlichen Bereiche zahlreich waren. Die verschiedenen Richtungen erlitten die Schrecklichkeit des Bruderkrieges, die Vergeltung zwischen Siegern und Besiegten und die Verheerung durch angestauten Hass, die auch in unseren Tagen nicht ganz geheilt ist.
Die Wunden unserer Geschichte ausheilen, heißt nicht, sie zu vergessen. Wir müssen sie weiterhin im Gedächtnis behalten. Nicht um die Wunden zu erhalten, noch um für Vergeltung zu sorgen, sondern um Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Die Opfer verdienen es. Aus der Erinnerung an sie geht Gerechtigkeit hervor. Im christlichen Leben finden wir diesbezüglich zu unserer eigenen Sprache: Wir sprechen von einer versöhnenden Gerechtigkeit. Die Größe ihres Lebens reicht über die tragischen Umstände ihres Todes hinaus.
Jesús Diaz Sariego O.P.
ORIGINAL: SPANISCH
BENEDIKT XVI.
ANGELUS - Petersplatz - Sonntag, 28. Oktober 2007
Liebe Brüder und Schwestern!
Heute vormittag wurden hier auf dem Petersplatz 498 Märtyrer seliggesprochen, die in Spanien in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts getötet worden sind. Ich danke Kardinal José Saraiva Martins, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, der dieser heiligen Messe vorstand, und ich richte meinen herzlichen Gruß an die zu diesem freudigen Anlaß versammelten Pilger. Die gemeinsame Seligsprechung einer so großen Zahl von Märtyrern zeigt, daß das höchste Blutzeugnis keine Ausnahme ist, die nur wenigen einzelnen Menschen vorbehalten ist, sondern etwas, das wirklich das ganze christliche Volk betreffen kann. Es handelt sich nämlich um Männer und Frauen, die hinsichtlich ihres Alters, ihrer Berufung und gesellschaftlichen Stellung sehr verschieden sind und die ihre Treue zu Christus und der Kirche mit dem Leben bezahlt haben. Auf sie treffen gut die Worte des hl. Paulus zu, die in der Liturgie des heutigen Sonntags erklingen: »Denn ich werde nunmehr geopfert« schreibt der Apostel an Timotheus , »und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten« (2 Tim 4,67). Paulus, der in Rom gefangen gehalten wird, sieht den Tod nahen und zieht voller Dankbarkeit und Hoffnung Bilanz. Er ist in Frieden mit Gott und sich selbst und tritt dem Tod ruhig entgegen, in dem Bewußtsein, sein ganzes Leben restlos für den Dienst am Evangelium hingegeben zu haben.
Der Monat Oktober, der in besonderer Weise dem missionarischen Einsatz gewidmet ist, schließt so mit dem leuchtenden Zeugnis der spanischen Märtyrer, die sich zu den Märtyrern Albertina Berkenbrock, Emmanuel Gómez Gonzáles und Adilio Daronch sowie Franz Jägerstätter gesellen, deren Seligsprechungen in den vergangenen Tagen in Brasilien und Österreich gefeiert wurden. Ihr Vorbild bezeugt, daß die Taufe die Christen dazu verpflichtet, mutig an der Verbreitung des Reiches Gottes teilzunehmen und, sollte es notwendig sein, mit dem Opfer des eigenen Lebens daran mitzuwirken. Gewiß, nicht alle sind zum Martyrium des Blutopfers berufen. Es gibt allerdings ein unblutiges »Martyrium«, das nicht weniger bedeutsam ist, wie etwa jenes von Celina Chludziñska Borzêcka, Ehefrau, Familienmutter, Witwe und Ordensfrau, die gestern in Rom seliggesprochen wurde: es handelt sich dabei um das stille und heldenhafte Zeugnis so vieler Christen, die das Evangelium kompromißlos leben, indem sie ihre Pflicht tun und sich hochherzig dem Dienst an den Armen widmen.
Dieses Martyrium im gewöhnlichen Leben ist ein Zeugnis, das mehr denn je in den säkularisierten Gesellschaften unserer Zeit wichtig ist. Es ist der friedliche Kampf der Liebe, den jeder Christ wie Paulus unermüdlich austragen muß; der Lauf, um das Evangeliumzu verbreiten, der uns bis zum Tod beansprucht. Die Jungfrau Maria, Königin der Märtyrer und Stern der Evangelisierung, helfe uns und stehe uns in unserem täglichen Zeugnis bei.
© Copyright 2007 - Libreria Editrice Vaticana
SELIGSPRECHUNG DER 498 MARTYRER DER RELIGIONSVERFOLGUNG IN SPANIEN
HOMILIE VON KARDINAL JOSÉ SARAIVA MARTINS
Petersplatz Sonntag, den 28. Oktober 2007
1. Im Auftrag und in Vertretung Papst Benedikts XVI. hatte ich das Glück, das Dokument zu veröffentlichen, durch das der Hl. Vater 498 Martyrer, die während der ReligionsverfolgunginSpanien in den Jahren 1934, 1936 und 1937 ihr Blut für den Glauben vergossen, zu Seligen erklärt. Darunter sind Bischöfe, Priester, Ordensleute, Laien, Männer und Frauen; drei waren 16 Jahre alt und der älteste 78.
Diese so zahlreiche Gruppe von Seligen bekundete bis zum Martyrium ihre Liebe zu Jesus Christus, ihre Treue zur katholischen Kirche und ihre Fürsprache bei Gott für die ganze Welt. Bevor sie starben, vergaben sie ihren Verfolgern mehr noch, sie beteten für sie -, wie in den Seligsprechungsprozessen ausgeführt wird, die in den Erzdiözesen Barcelona, Burgo, Madrid, Mérida-Badajoz, Oviedo, Sevilla und Toledo und in den Diözesen Albacete, Cartagena, Ciudad Real, Cuenca, Gerona, Jaén, Málaga und Santander eingeleitet wurden.
Der Katechismus der katholischen Kirche bekräftigt: Das Martyrium ist das erhabenste Zeugnis, das man für die Wahrheit des Glaubens ablegen kann" (Nr. 2473). In der Tat bedeutet Jesus nachzufolgen, ihm auch im Schmerz zu folgen und die Verfolgungen aus Liebe zum Evangelium anzunehmen (vgl. Mt 24, 9-14; Mk 13, 9-13; Lk 21, 12-19): Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden» (Mk 13, 13; vgl. Joh 15, 21). Christus hat uns im Voraus wissen lassen, dass unser Leben an sein Schicksal gebunden sein werde.
2. Im Mittelpunkt des Logos dieser Seligsprechung, die wegen der großen Zahl neuer Seliger von bemerkenswerter Bedeutung ist, steht ein Kreuz in roter Farbe, dem Symbol für die Liebe, die bis zum Blutvergießen für Christus führt. Zum Kreuz kommt eine stilisierte Palme hinzu, die absichtlich Feuerzungen ähnlich sieht, worin wir den Sieg versinnbildlicht sehen, den die Martyrer durch ihren Glauben erlangten, der die Welt besiegt (vgl. 1 Joh 1, 4), sowie auch das Feuer des Hl. Geistes, der am Pfingsttag auf die Apostel herabkommt, und ebenso den brennenden Dornbusch, der nicht verbrennt, in dem Gott in dem Bericht des Buches Exodus dem Mose erscheint, und der Ausdruck seines Seins selbst ist: Liebe, die sich hingibt und niemals erlischt. Diese Symbole werden von einer einen Kreis bildenden Schrift umrahmt, die an eine Weltkarte erinnert: Seligsprechung der Martyrer Spaniens". Es heißt Martyrer Spaniens" und nicht spanische Martyrer", denn Spanien war der Ort des Martyriums, und dies ist auch das Heimatland eines Großteils, aber es waren darunter auch solche, die aus anderen Ländern stammten, nämlich aus Frankreich, Mexiko und Kuba. Jedenfalls sind die Martyrer nicht ausschließliches Patrimonium einer Diözese oder einer Nation, sondern wegen ihrer besonderen Teilnahme am Kreuz Christi, des Erlösers der Welt, gehören sie der ganzen Welt, der Universalkirche.
Als Leitwort für die Seligsprechung wurden Worte des Herrn gewählt, die sich im Evangelium des hl. Matthäus finden: Ihr seid das Licht der Welt" (Mt 5, 14). Wie das Zweite Vatikanische Konzil zu Beginn ihrer Konstitution über die Kirche erklärt, ist Jesus Christus das Licht der Völker" (Lumen gentium 1); dieses Licht spiegelt sich im Laufe der Jahrhunderte im Antlitz der Kirche wider, und heute strahlt es in besonderer Weise in den Martyrern auf, deren Gedächtnis wir feiern. Jesus Christus ist das Licht der Welt (vgl. Joh 1, 5-9), das unseren Verstand erleuchtet, damit wir die Wahrheit erkennen und gemäß unserer Würde als menschliche Personen und Kinder Gottes leben und damit auch wir Licht der Welt seien, das alle Menschen erleuchtet durch das Zeugnis eines Lebens, das in voller Übereinstimmung mit dem Glauben, den wir bekennen, gelebt wird.
3. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten" (2 Tim 4, 7). So schreibt der hl. Paulus am Ende seines Lebens in dem Text, der zweiten Lesung dieses Sonntags. Mit ihrem Tod haben die Martyrer eben diese Gesinnung des hl. Paulus verwirklicht.
Die Martyrer erlangten die Herrlichkeit nicht nur für sich selbst. Ihr Blut, das die Erde tränkte, wurde vergossen, damit es reiche Frucht bringe. So drückte es der Hl. Vater Johannes Paul II. in einer seiner Ansprachen aus, in der er uns aufforderte die Erinnerung an die Martyrer zu bewahren: Wenn die Erinnerung an die Christen, die für das Bekenntnis ihres Glaubens ihr Leben hingegeben haben, schwinden würde, würde auch die gegenwärtige Zeit mit ihren Projekten und Idealen einen wertvollen Bestandteil verlieren, denn die großen menschlichen und religiösen Werte würden dann nicht mehr von einem konkreten, in die Geschichte eingefügten Lebenszeugnis getragen".
Wir können uns nicht damit begnügen, das Gedächtnis der Martyrer zu feiern, ihr Beispiel zu bewundern und unser Leben erschöpften Schrittes weiterzuführen. Welche Botschaft übermitteln die Martyrer jedem der hier
Anwesenden?
Wir leben in einer Zeit, in der die wahre Identität der Christen ständig bedroht wird, und das bedeutet, dass diese entweder Martyrer sind, d.h. ihrem Taufglauben in treu bleiben, oder sich anpassen.
Weil das christliche Leben ein tägliches persönliches Bekenntnis des Glaubens an den Sohn Gottes ist, der Mensch geworden ist, kann diese Treue in einigen Fällen bis zum Blutvergießen führen. Doch wie das Leben eines einzigen Christen, das zur Verteidigung des Glaubens hingegeben wird, die Stärkung des Lebens der ganzen Kirche bewirkt, bedeutet das Anführen des Beispiels der Martyrer, daran zu erinnern, dass die Heiligkeit nicht nur in der erneuten Bekräftigung allgemeiner Werte für alle besteht, sondern in der persönlichen Bindung an Christus, den Erlöser des Kosmos und der Geschichte. Das Martyrium ist vom Pfingstereignis her ein Paradigma dieser Wahrheit.
Das persönliche Glaubensbekenntnis führt uns zur Entdeckung der starken Verbindung zwischen Gewissen und Martyrium Die tiefe Bedeutung des Zeugnisses der Martyrer", so schreibt Kardinal Ratzinger, besteht in der Tatsache, dass sie die Fähigkeit, die Wahrheit über den Menschen zu erfassen, als Grenze jeder Macht und als Garantie seiner Gottebenbildlichkeit bezeugen. In diesem Sinn sind die Martyrer die großen Zeugen des Gewissens, der dem Menschen verliehenen Fähigkeit, über die Macht hinaus, auch die Pflicht zu erkennen, und folglich den Weg für den wahren Fortschritt zu bahnen, für die wahre menschliche Erhebung" (J. Ratzinger, Elogio della coscienza, Roma, Il Sabato, 16. März 1991, p. 89).
4. Die Martyrer verhielten sich wie gute Christen und zögerten, als der Augenblick gekommen war, nicht, auf einmal ihr Leben hinzugeben mit dem Ruf Es lebe Christus, der König!" auf den Lippen. Den Männern und Frauen von heute sagen sie mit sehr lauter Stimme, dass wir alle zur Heiligkeit berufen sind; alle, ohne Ausnahme, wie das Zweite Vatikanische Konzil feierlich erklärt hat, indem es ein Kapitel seines wichtigsten Dokumentes, der dogmatischen Konstitution Lumen gentium über die Kirche, der allgemeinen Berufung zur Heiligkeit" gewidmet hat (Kapitel V.). Gott hat uns geschaffen und erlöst, damit wir heilig seien. Wir können uns nicht mit einem lauen Christentum begnügen.
Das christliche Leben beschränkt sich nicht auf einige individuelle und vereinzelte Akte der Frömmigkeit, sondern muss jeden Augenblick unserer Tage auf Erden umfassen. Jesus Christus muss in der treuen Erfüllung der Pflichten unseres alltäglichen Lebens anwesend sein, das von scheinbar kleinen und unwichtigen Einzelheiten durchwirkt ist, die aber übernatürliche Bedeutung und Größe gewinnen, wenn sie mit Gottesliebe vollbracht werden. Die Martyrer erreichten den Gipfel ihres Heroismus in der Schlacht, in der sie ihr Leben für Jesus Christus hingaben. Der Heroismus, zu dem Gott uns beruft, verbirgt sich in den Tausend Scharmützeln unseres Alltags. Wir müssen davon überzeugt sein, dass unsere Heiligkeit die Heiligkeit, zu der, zweifeln wir nicht daran, Gott uns beruft , darin besteht, zu erreichen, was Johannes Paul II. den hohen Maßstab des gewöhnlichen christlichen Lebens" nannte (Novo millenio ineunte, 31).
Die Botschaft der Martyrer ist eine Botschaft des Glaubens und der Liebe. Wir müssen uns mutig prüfen und konkrete Vorsätze fassen, um zu entdecken, ob dieser Glaube und diese Liebe in unserem Leben in heroischer Weise zum Ausdruck kommen.
Heroismus sowohl des Glaubens wie der Liebe in unserem Handeln als Personen, die in die Geschichte eingefügt sind wie Sauerteig, der die rechte Gärung bewirkt.
Der Glaube, so sagt uns Benedikt XVI., trägt dazu bei, den Verstand zu reinigen, damit er die Wahrheit zu erkennen vermag (vgl. Deus caritas est, 28-29). Deshalb legt uns das treue Christsein auf, uns nicht der Pflicht zu versagen, zum Gemeinwohl beizutragen und die Gesellschaft zu gestalten, immer gemäß der Gerechtigkeit und in einem durch die Liebe geprägten Dialog unsere Überzeugungen von der Würde der Person, vom Leben von der Empfängnis bis zum Tod, von der in der einen und unauflöslichen eheliche Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau gründenden Familie, von Grundrecht und Grundpflicht der Eltern im Hinblick auf die Erziehung der Kinder und von so vielen anderen Fragen, die in der alltäglichen Erfahrung der Gesellschaft, in der wir leben, auftauchen, zu verteidigen.
Wir schließen, vereint mit Papst Benedikt XVI. und der Universalkirche, die auf den fünf Kontinenten lebt, indem wir die Fürbitte der heute selig gesprochenen Martyrer anrufen und uns vertrauensvoll an U.lb.Frau, die Königin der Martyrer, wenden, auf dass wir, von einen lebendigen Verlangen nach Heiligkeit entflammt, ihrem Beispiel folgen.
ORIGINAL: ITALIENISCH
NEUER SOCIUS FÜR DIE PROVINZEN DER IBERISCHEN HALBINSEL
Am 28. Oktober 2007 ernannte Fr. Carlos A. Azpiroz Costa O.P., Ordensmeister, Fr. Antonio Garcia Lozano O.P. zum Socius für die Provinzen der iberischen Halbinsel.
Fr. Antonio gehört der Provinz Aragon an. Er wurde am 19. Mai 1950 in Fentelespino de Moya (Cuenca), Spanien, geboren, machte am 17. Oktober 1967 Profess und wurde am 30. März 1974 zum Priester geweiht. Zum Zeitpunkt seiner Ernennung war er dem Konvent des hl. Vinzenz Ferrer in Valencia, Spanien, assigniert.
ORIGINAL: ENGLISCH
FEIER DER SELIGSPRECHUNG UNSERER MARTYRER
EINFÜHRUNG ZUR ZWEITEN VESPER IN SANTA SABINA AM 28.10.2007
Wir möchten danken für das Geschenk der Seligsprechung, das die Kirche heute unserer Dominikanischen Familie macht. Dies ist ein passender Augenblick, um so vielen Empfindungen, die sich unseres Herzens bei der Feier auf dem Petersplatz bemächtigte haben, freien Lauf zu lassen. Es erklangen dort die Namen, die Gegenstand 23 Martyrer-Causen waren, die schon vor vielen Jahren ihr Anfang nahmen und nun zu einem glücklichen Abschluss geführt wurden.
Vier dieser Causen betreffen uns in besonderer Weise. Bei der ersten steht an erster Stelle der Ex-Ordensmeister, der selige Buenaventura García Paredes, der 78. Nachfolger des hl. Dominikus und der erste als Martyrer selig gesprochene Generalobere. Zu dieser Causa, die 1961 in der Basilika von Atocha in Madrid eingeleitet wurde, gehört eine Gruppe von 26 Priestern und 8 Fratres Cooperatores der Provinz Spanien und der Rosenkranzprovinz sowie drei Studenten und ein Novize der Provinz Andalusien.
Die zweite Causa wurde 1958 in Barcelona eingeleitet; an der Spitze der neun Seligen steht der dominikanische Laie Antero Mateo García; er und sein Bruderschaftsgefährte, der seligen Miguel Peiró, sind die beiden ersten dominikanischen Laien Spaniens. Ebenso ist Sr. Josefina Sauleda, Nonne des Klosters Berg Sion in Barcelona, die erste selig gesprochene kontemplative Schwester Spaniens, ausgerechnet während der Achthundertjahrfeier der Gründung von Prouilhe. Erstlinge sind auch die sieben Schwestern der Kongregation der Anunciata, Ramona Fossas und sechs Gefährtinnen, sowie die beiden der Kongregation der Schuldominikanerinnen der Unbefleckten Empfängnis, Carmen Zaragoza und Rosa Adrover.
Die dritte Causa, an deren Spitze der selige Celestino Alonso Villar steht, wurde 1958 in Oviedo eröffnet und umfasst sechs Priester und vier Fratres Cooperatores der Provinz Spanien.
Die vierte Causa schließlich, deren diözesane Phase zwischen 1963 und 1964 in Santander abgewickelt wurde, umfasst acht Priester und sechs Fratres Cooperatores, die sich an den Marienwallfahrtsorten Las Caldas de Besaya und Montesclaros ihrem Dienst für Gott widmeten, allen voran der selige Enrique Izquierdo Palacios.
Das liturgische Proprium unseres Ordens wird so um 74 neuen Selige bereichert, Brüder und Schwestern aller Zweige der Familie des hl. Dominikus.
Die brüderliche Begegnung dieses Nachmittags findet an einzigartiger Stätte, nämlich in der Basilika und im Konvent von Santa Sabina, statt. Wie wohlbekannt ist, wurde die Basilika vor 786 Jahren von Papst Honorius III. unserem Vater und seinem Predigerorden übertragen. Hier befinden sich die Spuren seiner Schritte, seiner Hingabe an das Fürbittgebet, an das Studium und die Predigt; hier hat im Laufe der Jahrhunderte eine Vielzahl von Brüdern gelebt, vom seligen Jordan von Sachsen zu Thomas von Aquin, zum hl. Raymund von Peñafort, hl. Pius V., Henri Dominique Lacordaire, Hyacinthe M. Cormier, um nur einige zu nennen; hierher kam im Laufe der Geschichte eine Vielzahl von Päpsten; hierher schließlich sind viele der Martyrer gepilgert, die ab heute zur Ehre der Altäre erhoben sind; an dieser Stätte hat der selige Buenaventura García Paredes liturgischen Feiern vorgestanden. Dort steht nun, in diesen Momenten, sein Nachfolger an der Spitze des Ordens, Fr. Carlos Azpiroz Costa, der 86. Nachfolger des hl. Dominikus, dem wir danken für den großherzigen Empfang in unser aller Gemeinsamen Haus.
Fr. Vito Gomez O.P.
Generalpostulator
ORIGINAL: SPANISCH
HOMILIE VON FR. CARLOS A. AZPIROZ COSTA OP
PREDIGT IN DER II. SONNTAGSVESPER IN DER BASILIKA SANTA SABINA ALS DANKSAGUNG Sonntag, den 28. Oktober 2007
Wir haben uns in dieser Basilika, dem gemeinsamen Haus der Söhne und Töchter des hl. Dominikus, versammelt, die zum Gedächtnis an die hl. Martyrin Sabina erbaut wurde. In der Kirche befinden sich die Reliquien von Sabina und Serapia (ihrer Sklavin, die ebenfalls das Martyrium erlitt und sie der Überlieferung zufolge mit dem Evangelium bekannt gemacht hatte) zusammen mit denen anderer Glaubenszeugen: Evencio, Teodulo und Papst Alexander.
Der hl. Dominikus, der den Wunsch hegte, das Leben für Jesus Christus hinzugeben, pflegte auf dem Stein inmitten des Chores, der den Ort bezeichnete, wo sich zu seiner Zeit die Reliquien dieser Martyrer befanden (heute befinden sie sich in einer Urne unter dem Hochaltar), auf dem Boden ausgestreckt zu beten.
Wir haben uns versammelt, um Gott an einem ganz besonderen Tag Dank zu sagen, am Tag der Seligsprechung von 498 Martyrern, darunter 74 unserer Brüder und Schwestern. Wie schon Fr. Vito zu Beginn dieser Liturgie will ich auf einige Erstlinge» hinweisen, die uns bewegen und uns einen lichtvollen Weg weisen.
- Es ist die erste Seligsprechung, bei der wir in der gleichen Gruppe Söhne und Töchter aller Zweige der Familie des hl. Dominikus vereint sehen... Zweige eines laubreichen Baumes, in dem der gleiche Saft, das gleiche Blut strömt Diese Martyrer sind wirklich Blut von unserem Blut, Fleisch von unserem Fleisch, Bein von unserem Bein (vgl. Gen 2, 23).
- In diesem Jubiläum, das an die Gründung der ersten dominikanischen kontemplativen Kommunität in Prouilhe erinnert, feiern wir die selige Josefina (Sauleda Paulis), die erste kontemplative Nonne, die als Martyrin und als erste kontemplative spanische Dominikanerin selig gesprochen wurde. Deshalb sind zahlreiche Dominikanerinnen der Föderation der Immakulata von Aragón mit ihrer Föderationspriorin Sr. Maria Teresa Gil, eine Gruppe der Nonnen unseres Klosters des hl. Dominikus in Caleruega (Föderation des hl. Dominikus) und eine aus der Kommunität von Malaga (Föderation von Andalusien) unter uns. Herzliche Glückwünsche an diesem so schönen Tag!
- Heute wurden auch neun Dominikanerinnen selig gesprochen, die zwei sehr beliebten Kongregationen angehörten, nämlich den Dominikanerinnen der Anunciata (7 Selige) und den Schuldominikanerinnen der Unbefleckten Empfängnis (2 Selige). Ich grüße und beglückwünsche insbesondere Sr. Natividad (Martinez de Castro) und Sr. Luz (Ortigosa Gambra), die Generalpriorinnen der beiden Kongregationen, die mit einer zahlreichen Schwestergruppe anwesend sind. Herzliche Glückwünsche!
- Wir feiern auch die ersten als Martyrer selig gesprochenen spanischen dominikanischen Laien.
- Schließlich sagen wir Gott Dank für den Seligen Fr. Buenaventura García Paredes, den ersten Ordensmeister und Nachfolger des hl. Dominikus, der als Martyrer selig gesprochen wurde.
Es sind Männer und Frauen, Jugendliche und Erwachsene, Ordensleute und Laien, Prediger und Predigerinnen, Missionare und Missionarinnen
Unsere neuen Seligen gehören zu vier Gruppen oder Causen" (Madrid, Barcelona, Santander und Oviedo), die uns wie Himmelsrichtungen den Weg weisen und zu allen Nationen aussenden. In der Tat waren viele von ihnen Missionare in verschiedenen Ländern. Wahrlich, es weitet die Seele, im Leben des seligen Buenaventura von seinen Besuchen in den ausgedehnten Missionsgebieten seiner Provinz im Fernen Osten (China, Vietnam, Philippinen) zu lesen.
Deshalb sind zu unserer Feier Pilger aus vielen verschiedenen Orten gekommen. Vor allem die Familienangehörigen mehrerer der neuen Seligen (die ich bitte, sich zu erkennen zu geben, um sie ebenfalls beglückwünschen zu können). Es sind Pilger aus Mexiko gekommen (den Spuren des seligen Reginaldo Hernández folgend, der in San Miguel el Alto, Jalisco, geboren wurde) und von den Philippinen (wo die seligen Buenaventura García Paredes, Antonio Varona Ortega, Inocencio García Díez, Jesús Villaverde Andrés, Manuel Moreno Martínez, Maximino Fernández Marinas und Pedro Ibáñez Alonso ihr Predigtamt entfalteten).
Unsere Brüder und Schwestern sind in ihrem Leben und Tod Zeugen Christi. Doch was in Zeiten so vieler unüberwindbarer Spaltungen wirklich beeindruckt, ist, dass sie denen, die sie verfolgten und umbrachten, verziehen nach dem Vorbild des einzigen und wahren Meisters, der vom Kreuz flehte: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!".
Die Seligsprechung dominikanischer Martyrer, die zu einer ersten, im März 2001 selig gesprochen Gruppe hinzukommen, gibt vor allem Anlass zu zwei Fragen. Wir können nicht umhin, sie zu beantworten Es ist recht und notwendig, es zu tun. Als Dominikaner scheuen wir die quaestiones disputatae nicht, wir scheuen nicht die Anstrengung des vom Glauben erleuchteten Verstandes, um zu verstehen zu versuchen, was nicht zu verstehen zu sein scheint. Wir scheuen nicht die Diskussion, den Dialog, die Fragestellungen, die uns zur Kontemplation der Wahrheit führen können.
Die erste Frage lautet: Warum? Oder eindeutiger: Warum ist geschehen, was geschehen ist? Im Spanischen bezieht sich das Warum" eher auf den Grund oder die Beweggründe. Die Antwort auf das Warum führt uns auch zu einer gründlichen Analyse von Geschichte und Gesellschaft. Tatsächlich spricht der Kontext des Martyriums zugleich verschiedene und
komplexe Ursachen und Umstände an.
Die Antwort auf diese Frage führt uns auch auf die verschlungenen Wege des menschlichen Herzens. Dort nistet die Liebe, aber auch der Hass, dort keimt der Frieden, aber auch die (manchmal unerhörte) Gewalt, die ihn zerstört; dort entspringen Mut und Tapferkeit, aber auch die Angst. Das ist das in den menschlichen Leidenschaften verborgene Mysterium!
Bei Jeremias lesen wir: Arglistig, mehr als alles, ist das Menschenherz. Es ist voll Unheil. Wer kann es durchschauen?" Zum Glück lässt die Antwort des Herrn nicht auf sich warten: Ich, der Herr, erforsche das Herz und prüfe die Nieren" (Jer 17, 9-10).
Die menschliche Vernunft verlangt, Verhaltensweisen und Handlungen zu beurteilen Aber im Lichte des Evangeliums haben wir gelernt, nicht über Personen und ihre Absichten zu richten! Nur Jesus Christus, der Herr und Richter der Geschichte, hat die Lebenden und die Toten zu richten und vergilt jedem nach seinem Wandel (vgl. Jer 7, 10).
Die zweite Frage wäre: Wozu? Die Antwort zielt eher auf das Endziel oder letzten Sinn ihres Opfers. Einst wird es Licht, erhellt sich das Panorama, wie wenn die Dichte des Qualms und Hasses des Bruderkrieges sich plötzlich auflöst. Zeichen der Anwesenheit Christi und seines Reiches! (Ich beziehe mich nicht auf das Reich derer, die sich die eigenen Kronen auswählen, sondern auf das Reich Jesu Christi, der in einer Krippe geboren wurde und an einem Kreuz gestorben ist).
Der Tod unserer Brüder und Schwestern verwandelt sich in Erinnerung an, in Anwesenheit und Vorgriff auf dieses Reich. Erinnerung, die sich reinigt; Anwesenheit, die erleuchtet; Vorgriff, der allen Orientierung gibt.
Ein bekannter spanischer Dichter wies einmal auf drei große Abwesenheiten" hin: Krieg, Kerker und Tod. Das Zeugnis dieser Brüder und Schwestern schreit die Anwesenheit von Leiden und Tod Christi inmitten so schrecklicher Abwesenheiten hinaus
Das Martyrium macht den menschlichen Schmerz, der sich hinter jedem Krieg, in jedem Kerker, hinter jedem Tod verbirgt, irgendwie publik.
Der letzte Einsatz unserer Seligen macht diesen Schmerz irgendwie publik und gibt ihm einen letzten Sinn. Mit publik" ist nicht gemeint augenscheinlich" oder auf der ersten Seite der meistverkauften Zeitschriften oder Zeitungen". Publik" bedeutet in diesem Kontext im Namen der Kirche". Die Kirche will, in Treue zu Jesus Christus, die ganze Menschheit umfangen, sowie Berninis Kolonnaden uns heute Morgen auf dem Petersplatz umfingen, ohne uns deshalb in einen unzugänglichen Bereich einschließen zu wollen, ohne andere daran zu hindern, sich der Feier anzuschließen.
Wir wollen das Evangelium von den Dächern verkünden eine frohe Botschaft für das ganze Volk" (Lk 2, 10). Denn im Evangelium ist kein Platz für Spaltungen oder Ausschließungen. Christus ist unser Friede und überwindet alle Spaltungen, die die Menschen zugunsten einiger aufzulegen versuchen, indem andere ausgeschlossen werden.
Tatsächlich sind, es ist wichtig, dies zu erkennen, die Versuchungen der Apostel Jesu auch die unsrigen:
- Die Ausschließung: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb, und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er nicht zu uns gehört" (Lk 9, 49).
- Die Rache: Als die Jünger das sahen es ist die Rede von einem samaritischen Dorf, das Jesus nicht aufnehmen wollte, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war -, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel falle und sie vernichte?" (Lk 9, 54). Wir kennen in beiden Fällen die deutlichen Antworten Jesu an seine Jünger.
Wir können es nicht verwehren, dass jeder von uns seine eigene Ideologie hat. Es ist wie eine DNA, die uns immer begleitet Wir sind Kinder einer Familie, die in bestimmten Raumund Zeitkoordinaten geboren wurden, wir leben an einem bestimmten Ort, in einem bestimmten Land oder Volk, wir erhielten eine bestimmte Erziehung, wir denken auf bestimmte Weise, wir reagieren auf eine bestimmte Weise auf bestimmte Ideen oder Fragen der anderen usw.
Wenn wir jedoch bekennen und anerkennen, dass keine Ideologie oder Denkweise das Evangelium fassen kann und gleichzeitig dass Jesus uns gerufen, hat allen Völkern zu predigen, dann ist das Evangelium für alle.
Und dann?
Wenn das Blut unserer Martyrer Same für neue Christen ist (Tertullian), ist es unsere Sendung, auch die Samen des Wortes (hl. Justin) dort, wo sie zu finden sind zu entdecken.
WasbietenunsdieBrüderund Schwestern heute? Zweifelsohne ihre Frömmigkeit, Ergebung, Geduld, Religiosität aber, ich wiederhole, vor allem bieten sie uns einen Schlüssel, einen echten Schlüssel für das Leben und das Lesen der Geschichte, einen präzisen und kostbaren Schlüssel: die Verzeihung.
Er gestattet, die Augen, das Herz, die Verkündigung für alle zu öffnen, weil jeder Mensch mein Bruder und meine Schwester ist.
Auf diese Weise helfen uns die Martyrer, die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft in einer neuen Sichtweise zu lesen.
Die Martyrer helfen uns, hier und jetzt zu entdecken, dass die anderen» auch zu uns gehören", und deshalb lehren sie uns, die menschlichen, durch die verschiedenen Ideologien verursachten Spaltungen, die rassischen oder ethnischen Kriterien, bestimmte religiöse, kulturelle, lokale, regionale, nationale Akzente schlussendlich die Spaltung zwischen Siegern und Besiegten zu überwinden.
Ja, es stimmt, diese seligen Brüder und Schwestern gehören zu uns, aber durch ihre Verkündigung, ihre Vergebung, weiten sie unseren Blick, unser Herz und unsere Verkündigung, um ebenfalls alle besonders denen, die wir als weit entfernt erachten als zu uns gehörig zu erkennen.
Insbesondere denke ich an:
- die Kinder Israels und alle Gefangenen und in Konzentrations-, Gegangenen- und Flüchtlingslagern von gestern und heute Gepeinigten:
- an die muslimischen Brüder, die täglich als die Bösewichte" dargestellt werden;
- an die buddhistischen Mönche und Nonnen in Burma, die friedlich für Demokratie in ihrem Land kämpfen;
- an die Andersdenkenden, die sofort als Feinde", Umstürzler" oder Terroristen" bezeichnet werden, um einen Grund zu haben, sie eliminieren zu können;
- an die, die immer die Verlierer sind, die Armen, die Diener des Wortes und Katechisten, Männer und Frauen, die einfach niedergemetzelt werden, weil sie die Bibel in Händen oder im Haus haben von Regimes unterschiedlicher Farbe Ermordete, die auch wenn sie sich christlich" nennen nur darüber Klarheit haben, jene als links" oder rechts" zu bezeichnen, die nicht dazugehören, denn diese müssen draußen bleiben, müssen ausgestoßen werden.
In der symphonischen Schönheit der Schöpfung und in der noch schöneren Buntheit der Gnade entdecken wir Samen oder Formen der Anwesenheit des Wortes Gottes, die wir zuvor nicht zu sehen vermochten.
Wie der Mechanismus der psychologischen Projektion" uns manchmal auch dort Feinde finden lässt, wo es keine gibt (und deshalb erfinden wir sie schließlich)so lässt uns das in Leben und Tod dieser unserer Brüder und Schwestern wie ein außergewöhnlicher Strom der Zuneigung und des Lichtes offenbarte Kreuz Christi auch dort, wo es nicht möglich scheint Spuren Gottes entdecken. Spuren seiner Schöpfung in allem Wahren, Guten und Schönen. Spuren seiner Gnade in jedem Streben nach etwas mehr", in den tiefsten Sehnsüchten der Menschen.
Die Kirche will die ganze Menschheit umfassen hat gesagt: Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi" (Gaudium et spes, Nr.1).
Betrachten wir das Weihemosaik dieser Basilika: Es stellt die Kirche Christi durch zwei Frauen dar, die beide jeweils ein Buch mit hebräischen bzw. griechischen Buchstaben halten, das Alte und das Neue Testament. Unter den Füßen weist ein Schriftzug sie aus: Ecclesia ex circumcisione und Ecclesia ex gentibus. Die Kirche Christi überwindet in der Tat die Gegensätze der Vergangenheit. Die Mauer, die Juden und Heiden trennte, wurde niedergerissen.
In gleicher Weise wurden die Mauern, die Sklaven und Freien, Männer und Frauen, Gewinner" und Verlierer" trennten, niedergerissen.
Dominikus, ausgestreckt auf den Reliquien der Martyrer, brannte darauf, ihnen gleich zu werden, zu den Kumanen zu gehen, nicht um sie zu unterwerfen oder auszumerzen, sondern um ihnen das Leben spendende Evangelium zu verkündigen, indem er seinerseits wie sein Meister das Leben hingibt.
Dort, wo brudermörderischer Krieg, brudermörderischer Kerker, brudermörderischer Tod herrschten, drang die Vergebung durch und mit ihr die lichtvolle Explosion der Seligpreisungen, die in jeder Hinsicht die Armen, Betrübten und Leidenden, Hungernden und Barmherzigen, Reinherzigen und Friedenstifter, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten, Beschimpften und Verspotteten aufdeckt. Seliggepriesene Anwesenheit Christi unter uns!
Der Vergebung unserer Martyrer lässt uns die Arme nach allen ausstrecken, die um Jesu willen selig gepriesen werden. Auch sie gehören zu uns"!
Unsere Seligen sind Ursache unserer Freude, denn sie korrigieren unsere Sicht, weiten unser Herz und prägen unsere Verkündigung. So hat die Vergebung, indem sie die Spaltungen überwand, die wir doch mit falschen oder schäbigen Forderung zu verursachen verstanden (ohne den Wert ihres Leben und ihres Martyriums zu verstehen), neue Brücken gebaut, die kein menschlicher Sieg" der Waffen wird zerstören können.
Uns ist die Möglichkeit gegeben, diese Brücken zu überqueren und anderen sie benützen. Wir beabsichtigen nicht, sie jemals zu Zugbrücken" zu machen, damit andere, die nicht zu uns gehören", nicht hinüber können. Manchmal wünschten wir, dass dem so sei, um in einem unzugänglichen und sicheren Schloss zu wohnen.
In diesem Zusammenhang möchte ich die Worte Johannes Paul II. bei der so schönen in der Petersbasilika gefeierten Liturgie des Tages der Vergebung am ersten Sonntag der Fastenzeit des Großen Jubiläums (12. März 2000) paraphrasieren Denn diese Seligsprechung bietet auch uns ein Wort (nicht nur denen, die draußen" sind).
Brüder und Schwestern, in dieser Liturgie feiern wir die Barmherzigkeit des Herrn, und damit reinigen wir das Gedächtnis des Weges der Christen in den Jahrhunderten
Möge diese Feier in der ganzen Kirche, im Orden, in jedem von uns zu einem Versprechen der Treue zur ewigen Botschaft des Evangeliums veranlassen.
Niemals mehr Widerspruch gegen die Liebe im Dienste der Wahrheit.
Niemals mehr gegen die Communio der Kirche gerichtete Gesten.
Niemals mehr Kränkung irgendeines Volkes.
Niemals mehr Zuflucht zur Logik der Gewalt.
Niemals mehr Diskriminierung, Ausschließung,
Unterdrückung, Verachtung der Armen und Letzten.
Es ist Zeit zu schließen. Danke für das Zeugnis unserer Brüder und Schwestern Martyrer, die den Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft reinigen. Ich kann mir die Worte eine Dichters zu eigen machen, der im gleichen räumlichen und zeitlichen Kontext wie sie starb (obwohl er nur um es anschaulich zu machen zu den anderen gehörte). Der Blick, das Herz und die Verkündigung unserer Martyrer lassen diese Worte eines Mannes uns zu eigen werden, der bei der Schilderung dreier Abwesenheiten : Krieg, Kerker, Tod, gewissermaßen zu einem der unsrigen wird. Nach allem bietet uns der auferstandene Jesus wie heute unsere Martyrer ein anderes Zeichen seines Lebens als die Wunden seines Leidens und Todes:
Er kam mit drei Wunden,
der der Liebe,
der des Todes,
der des Lebens.Mit drei Wunden kommt er:
der des Lebens,
der der Liebe,
der des Todes.Mit drei Wunden ich:
der des Lebens,
der des Todes,
der der Liebe.Miguel Hernández*
Der Herr führe unser Wollen mit seiner Gnade zu einem guten Ende und führe uns zusammen mit diesen Martyrern zum ewigen Leben Amen.
Fr. Carlos A. Azpiroz Costa O.P.
Ordensmeister
* Er wurde am 30.Oktober 1910 in Orihuela geboren und starb a, 28. März 1942 in der Krankenabteilung des Gefängnisses in Alicante an Tuberkulose.
ORIGINAL: SPANISCH
DIE DOMINIKANISCHE FAMILIE FEIERT DIE MARTYRER DES 20. JAHRHUNDERTS
Ich schreibe diese Betrachtung auf Bitten unseres Mitbruders Carl Trutter O.P., um einige Eindrücke bei der Seligsprechung der 498 spanischen Martyrer (die alle zwischen 1934 und 1937 während des Spanischen Bürgerkrieges das Martyrium erlitten) in Rom mitzuteilen. Obwohl ich bei der Zeremonie keinen unserer Brüder von der Südprovinz sah, sagte mir ein Mitbruder von Santa Sabina, er habe neben unserem Bruder José David Padilla gesessen. Es war ein Menschenmeer!
Das Wochenende der Feierlichkeiten begann für mich am Vormittag des Samstags, den 27. Oktober, dem Tag vor der Seligsprechung, als Fr. Vito Gómez O.P., der Generalpostulator des Ordens (und der Großneffe einer der spanischen Martyrer) in der Morgenmesse in Santa Sabina eine sehr bewegende Predigt hielt (bei der Fr. Carlos, der Ordensmeister, anwesend war). Er sprach von den langen Stunden des Gebets, die Dominikus 1217 am Grab des hl. Petrus in Rom verbrachte und wies darauf hin, dass es gerade am Grabe Petri war, dass Dominikus das tiefe geistliche Erlebnis zuteil wurde, in dem Petrus und Paulus ihm in einer Vision erschienen. Petrus gab ihm einen Stab (und nicht ein Kreuz", vermerkte Fr. Vito), und Paulus gab ihm ein Buch. Dann sagten sie zu Dominikus: Gehe hin und predige". Nur kurze Zeit nach diesem Erlebnis", sagte er, wurde die zweite päpstliche Bulle, die den Orden einen universalen Orden der Prediger nannte, ausgestellt." Dann nahm er Bezug auf die mehr als siebzig kurz vor der Seligsprechung stehenden dominikanischen Martyrer und fuhr fort: Morgen wird in dieser Kirche von Santa Sabina das Bild von Buenaventura García Paredes O.P., ehemaliger Ordensmeister, zum ersten Mal öffentlich verehrt. Viele dieser Martyrer wirkten als Missionare (in China, auf den Philippinen, in Peru, Zentralamerika und Louisiana). Sie sind die Frucht des Gebets des hl. Dominikus, denn dort, am Grabe Petri, wurde die universale Sendung des Ordens von der Kirche bestätigt."
Es schien also nur recht, dass die Seligsprechung unserer Brüder und Schwestern im hl. Dominikus (Brüder, Schwestern, Laien und eine kontemplative Nonne) ebenfalls am Grabe Petri stattfinden sollte. Unter einem schönen, blauen Himmel und einer warmen Herbstsonne stand Kardinal Saraiva der Seligsprechungszeremonie vor; Hunderte von Konzelebranten und Zehntausende Gläubige füllten den Peterplatz bis auf den letzten Winkel. Dominikaner und Dominikanerinnen, Laien und Ordensleute aus vielen verschiedenen Ländern, jedoch besonders aus Spanien, waren gekommen. Papst Benedikt XVI. erschien am Ende der Zeremonie, begrüßte die Menge in verschiedenen Sprachen und betete mit uns den Angelus.
Bevor die Messe begann, wurden mehrere bewegende Auszüge aus Briefen und Zeugnissen einiger Martyrer vorgelesen. Eine Zeugenaussage berichtete von einem Laien, der vor der Hinrichtung seine Schuhe auszog. Als seine Verfolger ihn fragten warum, antworte er: Jesus ging barfuß ans Kreuz; ich auch." Er wurde erschossen. Während er seine Arme in der Form des Kreuzes ausbreitete und für diejenigen, die daran gingen ihn umzubringen, um Vergebung betete.
Am Abend vor der Seligsprechungsfeier wurde in der Basilika St. Paul vor den Mauern ein von einem dominikanischen Laien, Antero Mateo García, anlässlich der Profess seiner Tochter, einer Karmelitin, verfasstes Gedicht vorgelesen. Sowohl Antero, ein Eisenbahnarbeiter, und seine Frau waren der dominikanischen Laiengemeinschaft in Barcelona beigetreten. Mehrfach hatte Antero als Bahrenträger gedient, der mithalf, die Kranken in Feldbetten auf der Wallfahrt nach Lourdes zu tragen. Am 6. August 1936 wurde er, während er am Bahnhof auf die Ankunft seiner Frau und seiner Tochter, die Karmelitin war, wartete, wurde er festgenommen. In der Nacht des 8. Augusts wurde er in Barcelona unter der Drachenbrücke hingerichtet. Er war 61 Jahre alt.
An der Spitze der Liste der dominikanischen Martyrer stand der ehemalige Ordensmeister, Buenaventura García Paredes O.P. Als Provinzial mit Sitz in Manila, Philippinen, half er, die Missionsanstrengungen in China und Vietnam zu verstärken, und erwarb das Grundstück, auf dem sich die St.-Thomas-Universität in Manila heute befindet. 1911 half er, die Präsenz der spanischen Dominikaner in der Region Tangipahoa in Louisiana, USA, zu begründen. 1926 wurde er zum Ordensmeister gewählt. Wenige Jahre später zog er sich nach Ocaña, Spanien, zurück. Am 12. August 1936, erlitt er in Madrid als 70-Jähriger das Martyrium. Ganz in der Nähe seines Leichnams wurden sein Rosenkranz und Brevier aufgefunden.
Ein weiterer dominikanischer Martyrer war ein junger Mexikaner namens Reginaldo Hernández Ramírez. Als er gezwungen war, aus dem Diözesanseminar in Guadaljara zu fliehen, wurde er nach Spanien gesandt, wo er in Asturien in den Orden eintrat. Er war bekannt für seine schriftstellerischen und sprachlichen Fertigkeiten sowie für seine Begabung als Künstler und Maler und wurde sehr bald nach seiner Priesterweihe 1933 nach Madrid gesandt, um Recht zu studieren. Als die Verfolgung der Kirche durch die Republikaner sich auszuweiten begann, suchte er in der mexikanischen Botschaft Zuflucht, wurde aber abgewiesen, weil er Priester war. Am 13. August 1936 wurde er gefangen genommen. Sofort gab er sich seinen Häschern zu erkennen: Ich bin der mexikanische Priester, den ihr sucht." Er wurde am gleichen Tag hingerichtet. Er war 27 Jahre alt. Auf dieser Liste der 498 Spanischen Martyrer des 20. Jahrhunderts" finden wir auch den Namen der ersten spanischen kontemplativen Nonne, die selig gesprochen wurde. Sie ist auch die erste Nonne des Predigerordens, die ihr Leben als Martyrin hingab. Sr. Josefina Sauleda Paulis O.P. von Barcelona, trat 1905 ins Kloster ein, wo sie als Krankenschwester, Kantorin, Prokuratorin, Priorin und Novizenmeisterin diente. Am 19. Juli 1936 wurden sie und ihre Schwestern gezwungen, aus dem Kloster zu fliehen und sich in den Häusern verschiedener Familien zu verstecken. Sie wurde am 31. August gefangen genommen und zwölf Stunden lang verhört. Trotz vieler Drohungen, weigerte sie sich, den Aufenthaltsort des Klostergeistlichen und der anderen Schwestern zu verraten. Schließlich wurde sie hinaus zu einem bereitstehenden Auto geführt, doch bevor sie einstieg, sagte sie: Wenn ihr mich töten wollt, warum nicht gleich hier?" Ihr Leichnam wurde am nächsten Tag auf der Rennbahn gefunden. Sie war 51 Jahre alt.
Und die Liste geht weiter und weiter.
Dieser Betrachtung möchte ich eine Schlussbemerkung anfügen. Zwei Tage bevor die spanischen Martyrer selig gesprochen wurden, wurde in Österreich ein weiterer europäischer Martyrer selig gesprochen: Franz Jägerstätter. Tatsächlich nahm unser Mitbruder Art Kirwin O.P. (Provinz des hl. Martin Porres) an seiner Seligsprechung teil. Er war ein Ehemann und Vater dreier Kinder, der am 9. August 1943 enthauptet wurde, weil er sich weigerte, sich während des Zweiten Weltkriegs für Hitlers Armee zwangsverpflichten zu lassen. Der Geistliche, der ihn besuchte, bevor er umgebracht wurde, erklärte: Ich kann mit Sicherheit sagen, dass dieser einfache Mann der einzige Heilige ist, dem ich in meinem Leben je begegnet bin."
Ich meine, es ist wichtig, diese weitere Seligsprechung zu erwähnen, denn sie erinnert uns daran, dass das Martyrium ein Weg der Treue zu Christus ist und nicht das Ergebnis des Parteiergreifens für die eine oder andere politische Ideologie. Genau so wie es spanische Martyrer gibt, die von extremistischen Kommunisten umgebracht wurden, gibt es auch Martyrer, die Opfer Francos, des Faschismus Mussolinis oder des Nazismus Hitlers in Europa waren. Treue zu Christus kennt keine Grenzen. Welch ein großartiges Zeugnis, dass unsere Dominikanische Familie bei beiden Seligsprechungen dabei war. Ich bete, dass die Martyrer des 20. Jahrhunderts uns in unserem Leben nach dem Evangelium Christi den Weg treuer Jüngerschaft zeigen mögen.
Brian J. Pierce O.P.
Siena, Italien
ORIGINAL: ENGLISCH
NEUER SOCIUS FÜR DIE PROVINZEN IN ITALIEN UND MALTA
Am 15. Oktober 2007 ernannte Fr. Carlos A. Azpiroz Costa O.P., Ordensmeister, Fr. Bernardino Prella O.P. zum Sozius des Ordensmeisters für die Provinzen in Italien und Malta.
Fr. Bernardino ist Sohn der Provinz des hl. Dominikus in Italien. Er wurde am 13. August 1945 in Vercelli geboren, machte am 26. September 1962 Profess im Predigerorden und wurde am 5. September 1971 zum Priester geweiht. Zum Zeitpunkt seiner Ernennung war er dem Konvent des hl. Dominikus in Bologna assigniert.
ORIGINAL: ENGLISCH
WER SIND DIESE, UND WOHER SIND SIE GEKOMMEN? (APK 7, 13)
Nach einem langsamen Verlauf der Martyrerprozesse sind diese durch die offizielle Anerkennung der Kirche Gottes zum Abschluss gelangt. Jene, die einst am Wegrand fielen, jene, die wir Martyrer nennen, sie waren und sind es, und so hat die oberste Autorität der Kirche Gottes sie am 28. Oktober zu solchen erklärt.
Das Buch der Apokalypse spricht zuerst von der großen Schar der Erwählten und beschreibt sie dann vor dem Thron Gottes; und bei der Frage einer der Ältesten: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen?" (7, 13), erklingt die Antwort: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blute des Lammes weiß gemacht" (7, 14).
Diese Frage, die der Seher von Patmos in seiner Zeit großer Bedrängnisse formulierte, die sich aber in prophetischer Weise im Laufe der Zeit bei vielfachen Anlässen wiederholte und die die gleiche Antwort erfuhr, gewinnt anlässlich der am 28. Oktober 2007 erfolgten Seligsprechung der 498 Martyrer des 20. Jahrhunderts, die in Spanien den Tode erlitten, hohe Aktualität und Realitätsbezogenheit.
Wer sind sie und woher sind sie gekommen?
Es sind Ordensleute des tätigen und kontemplativen Lebens, reife, doch zu einem großen Teil junge Personen aus allen Winkeln Spaniens. Sie alle kommen aus der großen Bedrängnis, der sie in ihrem Leben und in ihrem Glauben und ihrer Liebe zum Herrn und zu den Brüdern und Schwestern unterworfen wurden. Sie haben ihre Gewänder gewaschen und weiß gemacht im Blute des Lammes. Und nach der Betrachtung dieser ganzen riesigen Schar, in der sich jeder einzelne von den anderen unterscheidet, doch alle in einer einzigen Sache, einem einzigen Zeugnis vereint sind, nämlich im Glauben an Gott und seinen Christus, ist man verwundert und fragt sich:
Aber Herr! Wie ist es möglich? Woher schöpften sie Kraft? Und das Wort Gottes kommt uns zuvor und sagt uns: Nicht ihr werdet reden, sondern der Geist Gottes redet durch euch. Und dieser Geist der Stärke sprach durch sie und stellte sich der Bedrängnis bis zum letzten Augenblick, entschlossen, ohne Zögern, ohne Zweifel, unbeugsam. Eine andere Erklärung gibt es nicht.
In jenen kritischen Augenblicken erwogen sie, dass die Leiden dieser Welt nicht zu vergleichen sind mit der künftigen Herrlichkeit, die sich uns offenbaren wird. Sie dachten daran, dass wir im Leben und im Tode dem Herrn gehören, und ihm nachfolgend, gaben sie ihr Leben hin. Der Tod der Martyrer ist ein Akt der Liebe, denn niemand hat eine größere Liebe, als der, der das Leben für den Geliebten hingibt, ein Akt der Liebe, der verzeiht. Und das taten sie, ohne zu hassen, sondern liebend zu verzeihend. Deshalb ist die Erinnerung an die Martyrer immer ein Augenblick der Gnade und ein Aufruf, auf den Wegen der Versöhnung voranzuschreiten.
Wer sind sie und woher sind sie gekommen?
Sie sind unsere Brüder und Schwestern. Sie kamen aus unseren Kreuzgängen, die wir ehrfürchtig und freudig durchschreiten.
Heute die Martyrer zu feiern, ist ein Kairós, der genutzt werden muss, um die Segel unseres Schiffleins in der Windrichtung des Geistes zu setzen. Es ist ein Moment, um die Glut der ersten Liebe anzufachen, die Hoffnung auf eine andere Weise neu zu beleben, glühender, begeisterter, fähig, das persönliche und kirchliche Leben mit Freude zu erfüllen, fähig, jene anzustecken, die an uns vorbeigehen oder uns beobachten oder von den zur Wahl stehenden Optionen her betrachten.
Wer sind sie?
Sie sind unsere Brüder und Schwestern, die angezogen vom Ideal des hl. Dominikus, unseren Habit trugen, sich treu den Ansprüchen des Evangeliums stellten, Christus nachfolgten und mit Ihm bis in den Tod gingen und bis zur Auferstehung. Was für eine in feinfühliger Weise empfangene, betrachtete und gelebte Wahrheit!
Sie gehörten zu uns, als Christen und als Dominikaner. Sie waren lebendige und anziehende Vorbilder. Sie waren bewunderungswürdig, verschiedenen Alters, reife und junge Personen im Alter von 19, 20 und 23 Jahren, voller Glauben und von Liebe und Leidenschaft für Jesus Christus und den Orden entflammt. Trotz der Gelegenheit ihr Leben vor dem Tod zu retten, entschieden sie sich endgültig für das vom Tod erweckte Leben in Jesus von Nazaret. Eine herrliche Gnade ist die des Martyriums in der Blüte der Jugend, die Wege hellen und kraftvollen Lichtes, fruchtbarer Hoffnung, großherziger Liebe eröffnet für jene die nach ihnen kommen, für uns, heute.
Fr. Herminio de Paz Castaño O.P.
ORIGINAL: SPANISCH
DANKMESSE AUS ANLASS DER SELIGSPRECHUNG
PREDIGT VON KARDINAL TARCISIO BERTONE - 29. Oktober 2007
Liebe Brüder im Bischofsamt, liebe Priester, Ordensmänner, Ordensfrauen und gläubige Laien!
Die Seligsprechung von 498 Märtyrern aus Spanien, die wir gestern gefeiert haben, hat unseinmalmehrfeststellenlassen,daßdieReihe der Christen, die seit den Anfängen der apostolischen Verkündigung vom Beispiel Jesu angezogen und von seiner Liebe getragen worden sind, keine Unterbrechung erfahren hat. Wir sind jetzt hier versammelt, um dem Herrn unseren tiefempfundenen Dank für dieses kirchliche Ereignis darzubringen. Wir wollen uns der Fürbitte dieser unserer Brüder anvertrauen, deren Existenz für uns und für das pilgernde Volk Gottes in Spanien und in anderen Ländern zu einem weitreichenden Leuchtfeuer geworden ist, zu einer eindringlichen Aufforderung, das Evangelium radikal und mit Schlichtheit zu leben, indem wir ein öffentliches und mutiges Zeugnis für den Glauben ablegen, den wir bekennen.
Gewiß findet jedes Martyrium unter tragischen geschichtlichen Umständen statt, die manchmal die Form der Verfolgung annehmen und zu einem gewaltsamen Tod aus Glaubensgründen führen. Dennoch vermag der Märtyrer selbst inmitten eines solchen Dramas über den konkreten geschichtlichen Augenblick hinauszugehen und seine Mitmenschen mit dem Herzen Gottes zu betrachten. Dank dieses Lichts, das ihn von oben erreicht, und kraft des Blutes des Lammes (vgl. Offb 12,11) stellt der Märtyrer seinem eigenen Leben das Bekenntnis des Glaubens voran, während er durch das Gebet und durch seine heroische Selbstaufopferung die Macht der Aggression verringert. Durch die Liebe zu seinen Feinden und sein Gebet für diejenigen, die ihn verfolgen (vgl. Mt 5,44), macht der Märtyrer das Geheimnis des Glaubens, den er empfangen hat, sichtbar und wird zu einem großen Hoffnungszeichen, wenn er durch sein Zeugnis die Erlösung für alle ankündigt. Durch die Vereinigung seines Blutes mit dem Blut des am Kreuz geopferten Christus wandelt sich die Aufopferung des Märtyrers zur Opfergabe vor dem Thron Gottes, wenn er um Gnade und Erbarmen für seine Verfolger fleht. Wie Papst Johannes Paul II. lehrt, "haben es [die Märtyrer] in Situationen der Feindseligkeit und Verfolgung vermocht, sich das Evangelium zu eigen zu machen, oft bis zum Blutvergießen als äußerster Bewährung Sie beweisen die Lebenskraft der Kirche Aber noch radikaler sagen sie uns, daß das Martyrium die höchste Inkarnation des Evangeliums der Hoffnung ist" (Johannes Paul II., Apostol. Schreiben Ecclesia in Europa, 13).
Auf diese Weise ist das Martyrium ein vielsagendes Zeichen dafür, daß die Lebenskraft der Kirche nicht nur von menschlichen Planungen und Berechnungen abhängt, sondern aus der vollständigen Zustimmung zu Christus und zu seiner Heilsbotschaft erwächst. Dessen waren sich die Märtyrer sehr wohl bewußt: Sie schöpften Kraft nicht in einem Anfall persönlicher Geltungssucht, sondern in der vorbehaltlosen Liebe zu Jesus Christus, auch um den Preis des eigenen Lebens.
Um den wahren christlichen Sinn des Martyriums noch besser zu begreifen, müssen wir daher die Märtyrer selbst zu Wort kommen lassen. Sie haben uns durch ihr Beispiel ein Testament hinterlassen, das wir manchmal nicht zu öffnen wagen. Wenn wir ihnen jedoch Aufmerksamkeit schenken, werden sie sicher zu uns von Glaube, Stärke, hochherzigem Mut und brennender Liebe in Anbetracht einer Kultur sprechen, die mitunter die sittlichen und menschlichen Werte, die uns das Evangelium lehrt, auszugrenzen oder zu missachten trachtet.
Alle wissen, daß das 20. Jahrhundert der Kirche in Spanien großartige Früchte christlichen Lebens gebracht hat: die Entstehung von Ordenskongregationen und Instituten, die sich dem Unterricht, der Betreuung der Kranken in den Spitälern und der Ärmsten der Armen sowie vielfältigen anderen kulturellen und sozialen Werken widmen. Es treten auch große Vorbilder an Heiligkeit und eine erhebliche Anzahl von Märtyrern Bischöfen, Priestern, Seminaristen, Ordensmännern, Ordensfrauen und gläubigen Laien zutage.
Diese Märtyrer sind weder wegen der politischen Konsequenzen ihres Handelns noch deshalb, weil sie gegen irgend jemanden kämpften, zur Verehrung durch das Volk Gottes vorgeschlagen worden, sondern weil sie ihr Leben hingaben als Zeugnis der Liebe zu Christus und in dem vollen Bewußtsein, sich als Glieder der Kirche zu fühlen. Deshalb stimmten sie im Augenblick des Todes alle darin überein, sich mit Worten der Vergebung und Barmherzigkeit an diejenigen zu wenden, die dabei waren, sie zu töten. So ist es unter vielen ähnlichen Beispielen zweifellos ergreifend, die Worte zu hören, die einer der Franziskanermönche der Kommunität von Consuegra an seine Mitbrüder richtete: »Brüder, hebt die Augen zum Himmel und betet das letzte Vaterunser, denn in wenigen Augenblicken werden wir im Himmelreich sein. Und vergebt denen, die euch töten.«
Deshalb haben diese neuen Seligen durch ihr Opfer die Kirche in Spanien bereichert und sind heute für uns Zeugnis des Glaubens, der festen Hoffnung gegen alle Furcht und einer Liebe bis zur Vollendung (vgl. Joh 13,1). Ihr Tod stellt für alle einen wichtigen Ansporn dar, der uns drängt, die Spaltungen zu überwinden, unser kirchliches und soziales Engagement neu zu beleben, indem wir immer das gemeinsame Wohl, die Eintracht und den Frieden suchen.
Diese unsere lieben Brüder und Schwestern, unter denen auch zwei Franzosen, zwei Mexikaner und ein Kubaner waren, wollten gerade wegen ihrer Liebe zum Leben ihr Leben Christus überantworten. Sie lebten ein vorbildliches Leben, waren den vielfältigen Formen ihres Apostolats ganz und gar hingegeben, überzeugt von der religiösen Option, für die sie sich entschieden hatten, bzw. von der Erfüllung ihrer familiären Aufgaben. Diese demütigen und entschlossenen Zeugen des Evangeliums sind leuchtende Vorbilder, die unserem irdischen Pilgerweg Orientierung geben. Während wir heute alle verehren, die, wie das Buch der Offenbarung lehrt, »aus der großen Bedrängnis kommen« (ebd., 7,14), bitten wir den Herrn, daß er uns ihren unerschrockenen Glauben, ihre feste Hoffnung und ihre tiefe Liebe schenke.
Liebe Brüder und Schwestern, wir begegnen uns hier in Rom, wo in den Anfangszeiten der Kirche unzählige Märtyrer ihren Glauben an Christus bis zum Vergießen ihres Blutes bekannt haben. Sowohl die Christen der ersten Stunde wie jene, die gestern seliggesprochen wurden, dürfen in uns nicht nur ein glückliches Gefühl der Bewunderung auslösen. Sie sind nämlich nicht einfach Helden oder Personen aus einer fernen Zeit. Ihre Worte und ihre Taten sprechen zu uns und spornen uns an, Christus immer vollkommener ähnlich zu werden, indem wir in ihm die Quelle finden, aus der die echte kirchliche Gemeinschaft entspringt, so daß wir in der heutigen Gesellschaft ein konsequentes Zeugnis unserer Liebe und unseres Einsatzes für Gott und für die Brüder ablegen können.
Durch ihr Beispiel und ihre Fürsprache helfen uns die Märtyrer, uns in der heutigen Zeit nicht von Mutlosigkeit und Verwirrung besiegen zu lassen und Trägheit und fruchtloses Lamentieren zu vermeiden. Denn diese unsere Zeit ist genau-so wie die ihre eine Zeit der Gnade, eine günstige Gelegenheit, um mit den anderen die Freude zu teilen, Jünger Christi zu sein.
Mit ihrem Leben und mit dem Zeugnis ihres Todes lehren sie uns, daß man die echte Glückseligkeit im Hören auf den Herrn und in der Umsetzung seines Wortes findet (vgl. Lk 11,28). Darum besteht der wertvollste Dienst, den wir heute unseren Brüdern erweisen können, darin, ihnen zu helfen, Christus zu begegnen, der »der Weg, die Wahrheit und das Leben « ist (vgl. Joh 14,16), der allein die edelsten Wünsche des Menschen zu erfüllen vermag.
Gebe Gott, daß diese Seligsprechung in Spanien einen kräftigen Ruf nach Neubelebung des Glaubens und Intensivierung der kirchlichen Gemeinschaft wecken möge, wobei wir den Herrn bitten wollen, daß das Blut dieser Märtyrer zum Samen vieler fruchtbarer und heiliger Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben werden möge und zugleich zu einer ständigen Einladung an die auf das Sakrament der Ehe gegründeten Familien, für ihre Kinder Vorbild und Schule der wahren Liebe und »Heiligtum« des großen Geschenks des Lebens zu werden.
Schließlich bitten wir den Herrn auch darum, daß das Beispiel der Heiligkeit der neuen Märtyrer fürdieKircheinSpanienundindenanderen Nationen, aus denen einige von ihnen stammen, viele Früchte authentischen christlichen Lebens wecken möge: eine Liebe, die die Lauheit besiegt; eine Begeisterung, die die Hoffnung anregt; ein Respekt, der die Wahrheit aufnimmt, und eine Großzügigkeit, die das Herz für die Bedürfnisse der Ärmsten der Welt öffnet.
Die Jungfrau Maria, Königin der Märtyrer, möge von ihrem göttlichen Sohn für uns diese Gnade erwirken, die wir jetzt voller Vertrauen in ihre mütterlichen Hände legen. Amen!
ORIGINAL: SPANISCH
MARTYRER VERBINDEN LOUISIANA MIT SPANIEN
USA - Am 28. Oktober 2007 wurden, Fr. Vito T. Gómez García, dominikanischen Postulator der Causen zufolge, sechs Dominikaner mit engen Verbindungen zu Louisiana in Rom selig gesprochen. Am Samstag, den 27. Oktober, predigte Fr. Vito Gómez (im Beisein des Ordenmeisters, Fr. Carlos Azpiroz) in der vormittäglichen Messe in Santa Sabina in Rom. Am Abend dieses Tages wurde in Basilika St. Paul vor den Mauern während der Begrüßungszeremonie ein Gedicht vorgelesen, das von einem dominikanischen Laien, Antero Mateo García, verfasst worden war, der am 8. August 1936 in Barcelona hingerichtet und am 28. Oktober 2007 selig gesprochen wurde.
Kardinal José Saraiva Martins C.M.F., Präfekt der Kongregation für die Heilig- und Seligsprechungsprozesse, stand der Zeremonie der Seligsprechung der spanischen Martyrer am 28. Oktober auf dem Petersplatz vor. Papst Benedikt XVI. erschien am Ende der Zeremonie und
begrüßte die Menschenmenge in verschiedenen Sprachen. Und am darauf folgenden Montag fand in der St.-Petersbasilika eine Dankesmesse mit Kardinal Tarcisio Bertone statt.
Diese sechs Priester erlitten mit zahlreichen weiteren Dominikanern (zwei Laien, eine Nonne, neun Schwestern, zehn Laienbrüder und 46 Priester) und so vielen anderen Katholiken vor 71 Jahren (1936) während der Verfolgung der Katholiken während des Spanischen Bürgerkrieges (in dem die linken Republikaner Francos Nationalisten gegenüberstanden) das Martyrium.
Diese Dominikaner unterhielten wichtige Beziehungen zum Haus der Theologie von Rosaryville bei Ponchatoula, LA. Dieses dominikanische Theologische Seminar von Rosaryville wurde 1911 an der Stelle errichtet, wo sich zuvor die Benediktinerabtei Abtei St. Joseph befunden hatte, und bestand dort bis 1938, als es den Dominikanerinnen von St. Mary übereignet wurde; heute ist es eine Exerzitienhaus, und nennt es sich nun Rosaryville Spirit Life Center. Sechzehn der spanischen Dominikaner, die dort studierten, lehrten oder Dienst taten und zwischen 1908 und 1936 starben, sind auf dem dortigen Brüderfriedhof begraben.
Die Dominikaner gehörten der Rosenkranzprovinz an, eine der vier spanischen Provinzen, die sich der Auslandsmission, besonders auf denPhilippinen,widmet.DamitsieEnglischlernen und in ihrer spanischen Heimat dem Konflikt mit dem Staat ausweichen konnten, sorgte Fr. Tomas Lorente Ibáñez in New Orleans 27 Jahre lang dafür, dass sie in die ländliche Pfarrei Tangipahoa kommen konnten. Viele von ihnen erlitten später in Spanien das Martyrium 10 in Oviedo, 14 in Santander und 38 in Madrid.
Der 78. Ordensmeister (1926-1929) der Predigerbrüder, Fr. Buenaventura García Paredes, war 1911 (als Provinzial der Rosenkranzprovinz mit Sitz in Manila) maßgeblich an der Errichtung dieses Theologischen Seminars in Louisiana beteiligt. Gleichzeitig übernahm seine Provinz die Seelsorge in allen katholischen Pfarreien von Tangipahoa (wo die Dominikaner noch Ponchatoula, Tickfaw und Hammond betreuen). Fr. García Paredes befand sich, er war 70 Jahre alt, unter den Spaniern, die am 12. August 1936 in Madrid das Martyrium erlitten.
Fr. Jesús Villaverde Andrés war 1921-1924 Prior in Rosaryville. Er hatte Spanien verlassen, um auf den Philippinen zu unterrichten, verbrachte dann seine Amtszeit als Oberer in Louisiana und kehrte von dort zurück nach Manila, wo er Dekan an der St.-Thomas-Universität wurde und dann Rektor des Kollegs St.-Johann-im-Lateran. Nach seinem missionarischen und akademischen Wirken auf den Philippinen kehrte er ins heimatliche Spanien zurück. In der Nacht des 15. Oktobers 1936 wurde er festgenommen und erlitt am folgenden Tag das Martyrium.
Vier weitere Dominikaner, die ihr Blut 1936 vergossen, hatten mehrere Jahre in Rosaryville zugebracht.
Leoncio Arce Urrutia studierte nach seiner Profess 1917 in Avila von 1920-1922 in Rosaryville Theologie. 1923 weihte Erzbischof John W. Shaw von New Orleans ihn zum Diakon und am 10. Juni 1924 zum Priester. Nach seinem Aufenthalt in Louisiana kehrte Fr. Arce zurück nach Spanien (Valladolid, Avila und Madrid). Er wurde im Juli 1936 festgenommen und erlitt am 10. September in Porlier, Spanien, das Martyrium.
Antonio Varona Ortega kam nach seiner feierlichen Profess am 18. Januar 1922 nach Rosaryville. Er setzte seine theologischen Studien 1922-1924 in Washington DC fort und erhielt an der Catholic University of America den akademischen Grad des Magister Artium in Pädagogik. Er kehrte nach Rosaryville zurück und wurde 1924 von Erzbischof Shaw zum Subdiakon und am 13. Juni 1926 zum Priester geweiht. Kurz darauf wurde er auf die Philippinen gesandt, doch während er dort unterrichtete, infizierte er sich mit Tuberkulose und kehrte 1933 nach Avila, Spanien zurück. Fr. Varona erlitt am 25. Juli 1936 in Algodor, Spanien, das Martyrium.
José Maria López Carrillo kam von Ávila nach Rosaryville, wo er 1915 feierliche Profess machte. 1918 wurde er in Rosaryville von Weihbischof Jean M. Laval zum Diakon geweiht, und am 15. Januar 1919 empfing er die Priesterweihe. Von 1919 bis 1935 lebte er im Fernen Osten zuerst in Manila, dann in China in der Fukienmission. Wegen Krankheit kehrte er nach Spanien zurück und erlitt am 27. August in Madrid das Martyrium.
Pedro Ibáñez Alonso studierte Theologie in Avila. 1914 war er in Rosaryville und machte dort feierliche Profess. 1916 reiste er zu weiteren Studien nach Manila und wurde am 1. April 1917 zum Priester geweiht. Er arbeitete in China und auf den Philippinen und kehrte dann zurück nach Spanien, wo er am gleichen Tag wie Fr. López umgebracht wurde, weil er in Madrid seinen katholischen Glauben verteidigte.
Ein weiterer dominikanischer Martyrer, der zwar nicht mit Louisiana in Verbindung stand, lebte in Cuero, Texas (etwa 21 Meilen nordwestlich von Victoria). Fr. Vicente Rodríguez Fernández war von Salamanca, Spanien, nach Chihuahua und Tampico in Mexiko aufgebrochen. Dort stieß er auf die Religionsverfolgung durch Präsident Plutarco Elias Calles und wurde aus Mexiko ausgewiesen. Er entkam in die Pfarrei U.lb.Frau in Cuero, wo weitere verbannte spanische Brüder in den Landkreisen Dewitt und Lavaca Seelsorge betrieben. Später kehrte er zurück nach Spanien. Zwar hatte er die mexikanische Verfolgung überlebt, doch er erlitt am 7. November 1936 in Madrid das Martyrium.
Heute, zum Zeitpunkt ihrer Seligsprechung 2007 bieten diese Brüder, die zusammen mit Hunderten weiterer Personen, Laien und Laiinnen, Ordensleuten, Priestern und Bischöfen in Spanien das Martyrium erlitten, uns in den Vereinigten Staaten ein Beispiel der Tapferkeit im Dienste Jesu Christi. Der Gedenktag für diese spanischen Martyrer ist der 6. November.
Carl B. Trutter O.P.
ORIGINAL: ENGLISCH
BUENAVENTURA GARCÍA PAREDES
EX-ORDENSMEISTER, 78. NACHFOLGER DES HL. DOMINIKUS
Fortsetzung
Ein neuer Sitz für das Angelicum"
Am 9. Juni 1928 wurde nach Überwindung nicht weniger Schwierigkeiten von der italienischen Regierung erwirkt, dass der Orden pleno jure" das Kloster der hhl. Dominikus und Sixtus zurückbekommt; dorthin sollte das Kolleg Angelicum", das der Ordensmeister Hyazinthe M. Cormier in der wiederholt erwähnten via de San Vitale eröffnet hatte, verlegt werden. P. Paredes war mit der Erreichung dieses Zieles seit fast zwei Jahren beschäftigt; er und andere hielten die Lage für ideal, in gleicher Entfernung vom Esquilin und Quirinal, mitten im alten Rom. 1873 waren den Nonnen, die seit 1575 dort wohnten, aufgrund eines Suppressionsgesetzes drei Viertel des alten durch Pius V. von Grund auf erbauten alten Klosters genommen worden. 1927 bot der italienische Staat den von der Verwaltung der Kultgüter besetzten Teil, zum Kauf an, und der Orden beschloss ihn zu erwerben, vor allem weil das Angelicum"
immer beengter wurde. Die Neuerwerbung belief sich auf an die 17000 Quadratmeter [1]. Die Messe zur Eröffnung des Studienjahres 1928-1929 wurde schon in der Kirche der hhl. Dominikus und Sixtus gefeiert. In diesem Jahr hielt Fr. Reginald Garrigou-Lagrange die Festvorlesung. In diesem Studienjahr betrug die Zahl der Studenten 490, davon 77 aus dem Orden.
Anlässlich des Kaufs des Klosters der hhl. Dominikus und Sixtus schickte Papst Pius XI. dem Ordensmeister am 11. Juni 1928 einen Brief und begrüßte es, dass so nun ein angemessenes Gebäude zur Verfügung stehe, um das Apostalat der Lehre" zu fördern. Der Ort, so meinte der Papst, sei außerdem geeignet, wie alle es anerkennen; es sei ein Garten vorhanden, so dass die zweckmäßigen Baulichkeiten sich verwirklichen lassen. Er war sicher, dass der Erwerb sich als sehr nützlich erweisen werde, nicht nur für die dominikanische Familie, sondern auch für die Kirche, wenngleich Pius XI. anerkannte, dass die wirtschaftlichen Kosten ganz beträchtlich seien und es noch notwendig sein werde, in die Anpassung an die neuen Verwendungswecke zu investieren, weshalb er wünsche, dass dem Ordensmeister die Unterstützung des ganzen Ordens zuteil werde.
Belebung des Ordens
1928 gründete P. Bernadot von der Provinz Francia die Zeitschrift La Vie Intellectuelle; ab dem 1. Januar 1929 erschien in Zagreb, in der Provinz Dalmatien, unter der Leitung von P. Jacinto Boskovic eine neue Zeitschrift namens Duhovni Zivot (Geistliches Leben).
Am 20. Juni unterschrieb er einen Brief an den ganzen Orden, in dem er den hl. Ludwig Bertrán zum besonderen Schutzpatron der Noviziate erklärte. Die Initiative ging vom Generalkapitel 1926 aus, doch der Ordensmeister bekannte, es sei ihm nichts angenehmer, als die Bestimmung seiner Brüder auszuführen. Der hl. Ludwig, so schrieb er, habe lange Zeit und auf solide Weise die ihm anvertrauten jungen Ordensleute herangebildet; er ging seinen Schülern voran und gab ihnen ein Beispiel der Tugend, Aufrichtigkeit und heilsamen Disziplin als echter Sohn des hl. Dominikus, der das Evangelium auch in Kolumbien predigte und dem das Verdienst zuteil wurde, Scharen von Menschen in die Kirche Christi aufzunehmen [2]. Am Tag zuvor, am 13. Juni 1928, bewies er erneut seine Verehrung der hl. Katharina, als er dem Kongress beiwohnte, zu dem sich die Vereinigung der Caterinati» versammelt hatte, vor allem um die Einberufung eines internationalen Kongresses, der 1930 in Rom stattfinden sollte, bekannt zu geben. Am 7. Juli ernannte
er Fr. Dominique Chenu zum Regens des Generalstudiums von Le Saulchoir.
Rücktritt von der Ordensleitung
Am 30. März 1929 teilte ihm Kardinal Pietro Gasparri im Namen des hl. Vater Pius XI. die Annahme des eingereichten Rücktrittgesuches mit. Der Papst habe so heißt es in dem Brief des Kardinals den Rücktritt mit Widerwillen aegre angenommen. Doch für die Annahme sei vor allem die Berücksichtigung seiner Gesundheit Ausschlag gebend gewesen. Seine
Verdienste wurden anerkannt und die Amtsführung als Ordensmeister während fast drei Jahren wurde gelobt [3]. Einige Tage später ernannte der Präfekt der Religiosenkongregation Fr. Juan Casas, Sozius des Ordensmeisters, geboren in Cataluña und Sohn der Provinz Andalusien, zum Generalvikar bis zum nächsten Generalkapitel.
Am 27. März das Rücktrittsgesuch war schon eingereicht, aber noch nicht angenommen begab er sich in das Heiligtum von Madonna dellArco bei Neapel; er suchte etwas Erleichterung für seine Gesundheit; bei Bekanntwerden des Rücktritts kehrte er am 10. April nach Rom zurück, um dem Generalvikar die Amtsgeschäfte zu übergeben. Am 30. April verließ er seinen Sitz am Kolleg Angelicum" und zog in den römischen Konvent der Dreifaltigkeit (via Condotti), der zu seiner Provinz gehört; einige Tage später reiste er nach Spanien ab. Der Chronist der Zeitschrift Analecta O.P. schließt seinen Bericht mit folgenden Worten: Sowohl bei der Wahl des Ordensmeisters zu Gunsten seiner Person als auch bei der Niederlegung des Amtes bot er den jetzigen und künftigen Brüdern ein berühmtes Beispiel der Einfachheit und Demut, das nicht aus ihrem Gedächtnis getilgt werden kann" [4].
Nach einem kurzen Aufenthalt in Madrid Anfang Juni 1929 begab er sich in den Konvent von Ocaña, wo er gemäß den Konstitutionen seinen Wohnsitz nahm. Die Gesundheitsgründe für seinen Rücktritt waren die einzigen, die in den offiziellen Dokumenten ausdrücklich angeführt wurden, obwohl der erwähnte Brief des Kardinalstaatssekretär Pietro Gasparri durchblicken lässt, dass er auch andere Gründe angeführt hatte. Aus Frankreich gelangten einige Berichte an den Hl. Stuhl, denen zufolge gewisse Brüder in die Bewegung Action Française" eine nationalistische Bewegung monarchistischer Art verwickelt waren, die Papst Pius XI. ab Dezember 1926 verurteilt hatte [5]. Angesichts des Wunsches des Hl. Stuhles, dass der Ordensmeister Brüder aus ihren Konventen entferne, die bezichtigt wurden, diese Bewegung zu unterstützen, zögerte er das Eingreifen einige Monate hinaus, bis er persönlich die Richtigkeit der Berichte untersuche. Das missfiel dem Papst.
Es ist klar, dass es einer dokumentierten Biographie des neuen Seligen unter Verwendung der heute den Wissenschaftlern zugänglichen Bestände sowohl des Vatikans wie des Ordens bedarf. Es ist bekannt, dass die dem Pontifikat Pius XI. zugehörige Dokumentation der Einsichtnahme im Archivio Segreto Vaticano offen steht. Leichter ist es die entsprechenden Sektionen des Archivum Fratrum Praedicatorum im Konvent Santa Sabina in Rom einzusehen.
Aufgrund eines Berichtes, den die vom seligen Luis Urbano in Valencia gegründete Zeitschrift Rosas y Espinas" veröffentlichte, ist bekannt, dass er im September 1926 nach Paris reiste; deshalb steht fest, dass er in Frankreich war. Er brach von Spanien aus dorthin auf, und bevor er die Grenze passierte, machte er einen Umweg nach Vic (Barcelona) und stand der Einkleidung von dreißig Postulantinnen der Kongregation der Dominikanerinnen der Verkündigung vor. Während der Zeremonie sprach er vom Reich Christi auf Erden und ermutigte dazu, ihm durch die Übung der Ordenstugenden Bestand und Größe zu verleihen. Im Namen der Kongregation begrüßte ihn die Generalpriorin Sr. Mercedes Miralpeix sowie der Bischof von Vic, Dr. Muñoz, der Dominikanerterziar Jaume Collel und der Professor des Seminars, Ramón Puig y Coll, Großneffe des seligen Francisco Coll, der 1936 das Martyrium erlitt [6].
Ein halbes Jahr nach der Entpflichtung von seinem Amt, am 31. Dezember 1929 schrieb er aus Ocaña an die Dominikanerin Sr. Pilar de Jesús und äußerte ihr gegenüber Folgendes: Ich zog es vor, in diesen Konvent zu kommen, wo ich mein Noviziat machte und der weiterhin ein wahres Heiligtum der Provinz ist, wo unsere Martyrer von Tonking herangebildet wurden. Nun wurden einige Kurse unseres Studiums hierher verlegt, und die Regularobservanz wird bestens befolgt. Ich höre nicht auf, Gott Dank zu sagen für die Wohltat, die er mir gewährt hat, und für den überaus sanften Seelenfrieden, den er mir gewährt hat und mir zu verkosten gibt".
Zu seinem Nachfolger wurde am 21. September 1929 P. Martin S. Gillet (1875-1951) gewählt, der den Orden sechzehn Jahre lang, bis 1946 leitete. An diesem Wahlkapitel, das am Angelicum" gefeiert wurde, nahm Fr. Buenaventura teil und bot dem Neugewählten als Erster seine Obödienz dar. Zu den Kapitularen gehörten auch der Ehrwürdige Fr. Titus M. Horten, der schon erwähnte selige Luis Urbano und der Diener Gottes José Garrido Francés, Martyrer, der dem Konvent des Generalstudiums der Provinz Andalusien in Almagro angehörte. Der Ex-Ordensmeister nahm auch an den Kapiteln in Le Saulchoir (1932) und Rom (1935) teil.
Er entfaltete auch eine apostolische Tätigkeit und hielt z.B. im Juli 1930 den Dominikanerinnen der Verkündigung in Oviedo, unter denen sich die Dienerin Gottes Dominga Benito Rivas befand, die Exerzitien, wie die Chronik der Gemeinschaft vermerkt.
Verfolgung und Martyrium
Wie gesagt, hatte er sich zurückgezogen in den Konvent des hl. Dominikus in Ocaña. Mitte Juli 1936 begab er sich in den schon erwähnten Rosenkranzkonvent in Madrid. Dieser Konvent, der 1935 zum Priorat erhoben worden war, wurde am 19, Juli 1936 überfallen; es befanden sich 15 Ordensmänner in der Kommunität, einige waren assigniert, andere hielten sich vorübergehend dort auf. Elf von ihnen wurden am 28. Oktober 2007 selig gesprochen. Der selige Buenaventura war am Vorabend des Überfalls von D. Pedro Errazquin, der auch anderen Brüdern Zuflucht bot, eingeladen worden. Einen Monat zuvor hatte er der Familie Errazquin-Garmendia, die 1915 auf den Philippinen kennengelernt hatte, geschrieben: Ich kann mich der überwältigenden Realität, die wir erleiden, noch nicht stellen. Ich hoffe nur auf die Barmherzigkeit Gottes, der irgendeinen Lichtblick sende" [7]. Diese Familie bot ihm an, ihm einen Pass und eine Fahrkarte zu besorgen, damit er auf die Philippinen reise; docher, altundkrank, empfand eine unüberwindliche Schwierigkeit, diese Reise zu unternehmen und äußerte, er werde sie nur antreten, wenn seine Oberen in Rom dies erlaubten; in der Tat schrieb er nach Rom und erhielt die Fahrkarte für die Reise; der Freund Pedro Errazquin beantragte den Pass, jedoch wurde er verweigert, weil er Ordensmann war.
Während er bei D. Pedro Errazquin wohnte, ging er von dort in ein Oratorium, um die Messe zu feiern, doch sein Zufluchtsort wurde von der Polizei überwacht, und Ende Juli fand man für ihn eine Unterkunft im Hotel del Carmen am St.-Barbara-Platz. Pedro Errazquin, dieser katholische Ritter, erlitt schließlich auf der St.- Isidor-Wiese in Madrid den Tod, denn in seinem Haus wurde der Kelch aufgefunden, der dem seligen Buenaventura gehörte. Letzterer, der überzeugt war, dass er von der Polizei überwacht werde, suchte Zuflucht in einer nach dem Infanten Don Juan benannten Pension in der Recoletos-Straße. Dort spendete er einigen Hausbewohner das Sakrament der Buße. In dem ihm zugewiesenen Zimmer führte er ein Leben der Sammlung und des Gebets; er betete das Brevier und feierte sogar die hl. Messe. Ein Zeuge sagte: P. Buenaventura war vor einem kleinen Tisch mit einem Brötchen und einem Becher, und ich meine, er zelebrierte die hl. Messe" [8].
Er wurde am 11. August festgenommen und von Bewaffneten weggeführt; er hatte ich als Ordensmann und Priester zu erkennen gegeben und stellte sich mutig: Ich habe nichts begangen, außer dass ich Priester und Ordensmann bin. Die Göttliche Vorsehung will es so." Er wurde an eine Folterstätte namens checa in der García-de-Paredes-Straße in Madrid gebracht. Am folgenden Tag, den 12. August 1936, brachten sie ihn in die Ortschaft Fuencarral und gegen 10 Uhr vormittags richteten sie ihn mit Feuerwaffen hin in der Gegend namens Valdesenderin del Encinar zwischen Fuencarral und Alcobendas. Bis zum letzten Augenblick hielt er Rosenkranz und Brevier. Er wurde auf dem Friedhof von Fuencarral begraben, wo der Orden während Jahrhunderten ein Konvent hatte und dessen Kirche U.lb. Frau von Valverde geweiht ist.
Die sterblichen Überreste wurden am 24. Oktober 1940 exhumiert und in die Krypta der Rosenkranzkirche in Madrid gebracht. 1967 wurden sie in die Friedhofskapelle des Konventes des hl. Thomas in Avila übertragen, wo sich seine Reliquien weiterhin befinden.
Sein Nachfolger gedenkt seiner als Martyrer
Der Ordensmeister Fr. M.S. Gillet verfasste einen den Martyrer in der Religionsverfolgung in Spanien gewidmeten Brief. Darin handelte er ausführlich und lobend von seinem Vorgänger und meinte, sein Leben lasse sich zusammenfassen in einer beständigen übernatürlichen Vereinigung mit Gott in hervorragender Demutund Übung der Sanftmut in Einfachheit und Hochherzigkeit, was sich bei ihm als konnatural erwies, und so bereitete er sich auf das Martyrium vor. Er hoffte, dass die Kirche ihn zum Martyrer erklären werde. Schließlich nannte er andere Brüder der Provinzen Spanien, Aragón Andalusien und des Rosenkranzes, die ebenfalls ihren Glauben durch das Vergießen ihres Blutes bezeugt hatten. Insgesamt waren es 136 [9].
Der Ruf der Heiligkeit
Alle Zeugen des Prozesses, die den neuen Seligen Buenaventura García Paredes kannten, heben einmütig seine Tugenden hervor. Er war ein Mann tief verwurzelten Glaubens, der Sammlung und Gottverbundenheit bekundete; er hegte für alle menschliche und gute Empfindungen, war immer bereit zu verzeihen; er zeichnete sich aus durch seine Nähe zur Arbeiterwelt und zu demütigen, einfachen und armen Menschen; er war sehr klug und gelehrt, geduldig, gerecht und gleichmütig, beständig in der Pflichterfüllung, standhaft und zugleich mitfühlend und menschlich, bescheiden in Essen und Trinken sowie in seinen Äußerungen und in allem; erbaulich durch seine tiefe Demut.
Der Bekannte Historiker Fr. Vicente Beltrán de Heredia drückte sich so aus: Ich empfinde Zuneigung vor allem für P. Paredes, von dem ich einen sehr angenehmen Eindruck habe aufgrund der Tatsache, dass er auch mit meiner Stimme gewählt wurde, ich sah, seine Demut, das Amt nicht anzunehmen zu wollen. Unvergesslich sind mir jene zehn Minuten der Auseinandersetzung, um ihn zu überzeugen, und er bot so viele Demutsbezeugungen, dass einer der Patres Assistenten, P. Getino, vorgehen musste, um einige Worte zu seiner Ermutigung und Unterstützung zu sprechen, so dass ein österreichisch-ungarischer Pater, P. Cornelius Boller [10] sagte: Niemals in meinem Leben habe ich eine so schöne Szene erlebt" [11].
Nach dem Rücktritt vom Amt zeigte er sich nicht gekränkt und versuchte sogar das Vorgehen des Hl. Stuhles mit Respekt und Sanftmut zu rechtfertigen. Ihn die Messe zelebrieren zu sehen, war bewegend. Als er als Provinzial Vietnam besuchte, warf er sich vor dem Grabstein der Martyrer zu Boden und verharrte einen recht langen Augenblick in dieser Lage; als er sich aufrichtete, bemerkten die Anwesenden, dass sein Gesicht von Tränen überströmt war. Er spiegelte die Tugenden eines Heiligen wider, rief sein Nachfolger, Fr. Aniceto Fernández, aus.
In der Diözese St. Hycinthe in Quebec wurde 1944 eine Gedenkbildchen unseres Martyrers mit einem von der kirchlichen Obrigkeit approbierten Gebet veröffentlicht, in dem der Herr gebeten wird um die ausgezeichnete Gabe der für seine Seligsprechung auf Erden notwendigen
Wunder, damit wir ihn mit der Kirche bald als Heiligen verehren und anrufen können."
Seit dem 28. Oktober 2007 verehrt der Predigerorden mit Freude diesen ihren Sohn unter dem Titel des Seliger und des zur Ehre der Altäre erhobenen Protomartyrers unter den Ordenmeistern. Am Tag seiner Seligsprechung führt er eine Gruppe von 74 Martyrern an, Vertreter der ganzen Familie des hl. Dominikus: 40 Priester, 18 Fratres cooperatores, 3 Klerikerstudenten, ein Klerikernovize, eine kontemplative Nonne, 7 Schwestern der vom seligen Francisco Coll gegpündeten Kongregation der Verkündigung, 2 Schwestern der Kongregation der Schuldominikanerinnen der Immakulata, 2 dominikanische Laien.
Fr. Vito T. Gómez O.P.
Generalpostulator
Fr. Francesco Ricci O.P.
Postulationssekretär
_________________
1 AOP 18 (1927-1928) 583-585.
2 AOP 18 (1927-1928) 537-539.
3 AOP 19 (1929-1930) 136-137.
4 AOP 19 (1929-1930) 189.
5 Pius XI. tat seine diesbezüglichen Gedanken anlässlich einer Ansprache kund, die er während des geheimen Konsitoriums am 20. Dezember 1926 hielt; er wollte die Katholiken von so einer Bewegung abgerückt sehen. AAS 18 (1926) 517-520. Diese politische Bewegung entstand Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich; sie verherrlichte einen integralen Nationalismus und strebte die Restauration der Monarchie an, und bei einigen ihrer Ideologen vermischten sich diese Bestrebungen mit agnostischen, atheistischen und antichristlichen Einstellungen.
6 «Rosas y Espinas», Año XII, noviembre de 1926, no. 175.
7 Positio, p. 159.
8 Positio, p. 161.
9 AOP 24 (1937-1938) 541-558.
10 Cornelius M. Böle, Sozius des Definitors der österreichisch-ungarischen Provinz. AOP 17 (1925-1926) 591.
11 Positio, p. 405.
ORIGINAL:SPANISCH
Um die dem Jubiläumsjahr von Prouilhe gewidmete Artikelreihe zu beschließen, wurde ein Reihe von Personen, die in dieser Zeit in der Nähe des Klosters lebten und arbeiteten, um Pilger zu betreuen, die Sakramente zu feiern usw., gebeten, ihre Eindrücke und Erfahrungen zu schildern. Die ohne Unterbrechung aufeinander folgenden Gruppen aus allen Kontinenten, aus Kanada, den Philippinen, Nigeria, Polen, um nur einige Länder zu nennen, bedeuteten für eine beträchtliche Anzahl von Personen viel harte Arbeit, doch viele erfuhren die Anstrengung als lohnend und erfüllend.
Sr. Barbara (Kloster Herne)
P. Brian Bricker O.P. aus der Provinz des hl. Albert in den USA, Geistlicher des Klosters von Prouilhe:
Für mich war das Größte an diesem Jubiläumsjahr die große Zahl von Menschen, die nach Prouilhe kamen, und es war mir ein echtes Privileg, mit ihnen zusammenzutreffen und ihnen etwas über die Geschichte der heiligen dominikanischen Stätten zu sagen. Es kamen Gruppen aus den USA und aus den meisten europäischen Ländern. Diese zeichneten sich aus durch ihre Aufgeschlossenheit und ihr echtes Interesse für das, was sich hier tut. Ich denke auch an die vielen Gruppen älterer Schwestern, die vorbeikamen oft nur für einen Tag. Für viele war dieser Besuch in Prouilhe die Erfüllung eines lebenslangen Traumes. Wie gesagt, war es wirklich ein Privileg, gewissermaßen ein Vertreter dessen zu sein, was sich hier tut, und mit ihnen Fanjeaux usw. zu besichtigen. Doch wenn möglich, fügte ich dem Ausflug etwas weniger Bekanntes hinzu, z.B. ging ich mit den Leuten nach Sorèze, wo P. Lacordaire lebte und begraben ist. Wäre er nicht gewesen, wäre das Kloster, wie wir es heue kennen, wahrscheinlich nicht gebaut worden.
Es gab eine gute Zusammenarbeit zwischen allen, die mit den dominikanischen heiligen Stätten zu tun hatten: Als Neuling lernte ich viel von einer dominikanischen Laiin, die sich zu einer Expertin entwickelt hat, im Haus des hl. Dominikus die Geschichte zu entfalten.
Es war auch eine Freude, im Laufe des Jahres die Gemeinschaft der Nonnen internationaler werden zu sehen durch die Ankunft von Schwestern aus Peru, Mexiko und von den Philippinen.
Ein Höhepunkt des Jahres war der Tag des offenen Denkmals im September, an dem die Nonnen sich beteiligten, indem sie Besuchern einen Blick in den Kreuzgang gestatteten, einen Vortrag über die Lebensweise der Nonnen und eine Dia-Vorführung über die Geschichte der Basilika anboten. Anlässlich der Teegesellschaft für Ortsbewohner betraten viele zum ersten Mal das Kloster, obwohl sie seit 60 oder 70 Jahren in der Nähe wohnten.
Die Schwestern strengten sich wirklich an, die Liturgie auf eine für Besucher einladende und ansprechende Weise zu gestalten. In diesem Jahr wurde die Zahl der regelmäßig in Englisch und Spanisch gefeierten Messen erhöht. Und ich freute mich, in diesen anderen Sprachen mitfeiern zu können.
Treffen und Austausch zwischen Pilgern und Nonnen waren ein Höhepunkt; alle schätzten die Einfachheit der Aufnahme und des Austausches
Frau Brigitte Marlier, Einwohnerin von Fanjeaux und ehrenamtliche Helferin:
800 Jahre! 800 Jahre sind es her, seit ein Kanoniker aus Kastilien namens Dominikus sich in unserem Dorf Fanjeaux niederließ. Im Frühsommer machten sich einige Dutzend Dorfbewohner auf Einladung der Schwestern auf den Weg, der vom Seignadou zum Kloster führt, auf diesem mythischen und magischen Pfad, wo man, wenn man aufmerksam lauscht, die eiligen Schritte derer noch hören kann, die uns vorangegangen sind.
Später, im Hochsommer erlebte das Dorf bei Fackelschein unter einem sternenklaren Himmel von Neuem die tragische Geschichte jener, die Freunde des Guten" oder gute Menschen" genannt wurden, doch als Katharer in die Geschichte eingingen. Dominikus und Diegos Worte fechten die des Guilhabertus und der Esclarmonde über Glauben, Leben; Heute und Morgen an. Ihrer aller wird hier gedacht. Die Feier des Geburtstages der Hl. Predigt von Prouilhe" an diesem Ort ist notwendigerweise das Gedächtnis einer doppelten Wirklichkeit. Tag für Tag und in Ewigkeit stellen wir den Ansprüchen der Wahrheit die der Liebesgemeinschaft gegenüber.
P. André Vergne, Diözesanpriester, Pfarrer in Fanjeaux, Mitglied der dominikanischen Priesterbruderschaft:
Allen, die diese Zeilen lesen, viele Grüße! Eigentlich besuchte ich Prouilhe zum ersten Mal, als ich noch im Schoß meiner Mutter war, die 1946 an der Rosenkranzwallfahrt teilnahm.
1. Vor dem Jubiläum: Im November 2006 fuhr ich anlässlich meines 60. Geburtstages 968 km, um eine Woche im Dominikanerinnenkloster Valdeflores* in Galizien, Spanien, zu verbringen. Das war eine wundervolle brüderliche Erfahrung, die mich davon überzeugte, dass, wo wir uns auch befinden mögen und welches die Sprache der Messe auch sein mag, der dominikanische Familiensinn da ist, und alle sind Brüder und Schwestern.
2. Während des Jubiläums: Unsere Diözese von Carcasonne feierte 2005-2007 eine Synode, und am 4. Mai dieses Jahres regte unser Bischof, Msgr. Alain Planet an, dass ich neben anderen Verpflichtungen Pfarrer der Seelsorgeeinheit St. Dominikus werde, zu der Fanjeaux, Montreal und Villasavary gehören mit einer über 18 Verwaltungseinheiten zerstreute Bevölkerung von 10000. Daher meine Überzeugung, dass es meine Sendung ist umherzuziehen, immer unterwegs, doch danach trachtend den Menschen nahe zu sein und als Missionar in dieser Pfarrei St. Dominikus mit ihren historischen Verbindungen zu den ehemaligen Diözesen Mirepoix und St. Papoul Wurzeln zu schlagen.
3. Nun da das Jubiläum sich dem Ende zuneigt, zeigt es sich, dass die Scharen in diesem Jahr in großer Zahl und zu jeder Jahreszeit kamen, um die dominikanischen heiligen Stätten zu besuchen in dem, was als katharisches Land" gilt. Für einige Dörfer ist der hl. Dominikus für die örtliche Wirtschaft so wichtig wie die Sonnenblumenernte. Die Erfahrung dieses Jahres haben mich davon überzeugt, dass die Kumanen" sich unmittelbar vor unserer Tür befinden, d.h. Leute, die Gott suchen, und jeder tut das irgendwie, doch welche nachhaltigen Pläne hat die Dominikanische Familie, um diesem Bedürfnis in anhaltender Weise zu entsprechen?
Sr. Charlotte Unrein O.P., Dominikanerin von Great Bend, Kansas, USA, ehrenamtliche Helferin der Gästeschwester in Prouilhe (Nach einem arbeitsreichen Leben als Missionarin in Nigeria, dann als Hospiz-Krankenschwester zögerte Sr. Charlotte, obwohl sie in den Siebzigern ist, nicht, die Schwestern in Prouilhe während dieses Jubiläums ein Jahr lang zu untersttützen):
Wenn ich innehalte und nachdenke, ist es wirklich ein Privileg, hier zu sein; auch wenn einige Dinge schwierig sind, ist es einfach ein besonderer Ort, und ich habe hier so viele besondere Leute getroffen.
Ich freute mich über die Gruppen, wie sie kamen: Schwestern, Laien, Ehepaare. In den meisten Gruppen, war jemand dabei, der etwas Englisch konnte, und wenn nicht, kam ich mit der Zeichensprache zurecht. Manchmal war es wahnsinnig komisch.
Natürlich tragen wir den Habit heutzutage nicht, und einige Leute fragten mich danach, aber ich erklärte, dass es die innere Wirklichkeit ist, die zählt, und dass er für die Art der Arbeit, die wir verrichten, nicht so praktisch sei.
Ich freute mich über die Gruppen amerikanischer Schwestern; das machte es mir leichter, so weit weg von zu Hause zu sein. Tatsächlich schreibe ich jeden Monat nach Hause, und so führe ich eine Art Tagebuch, in dem ich festhalte, was den Schwestern zu Hause mitzuteilen ist; auf diese Art und Weise nehmen auch sie aus der Ferne an dem Jubiläum teil.
Es war schön, zu sehen, wie die Kommunität von Prouilhe durch neue Mitglieder verstärkt wurde, die, wie es scheint, sehr geschätzt werden, und es ist auch gut, weil dies die Arbeit den Schwestern etwas leichter macht. Ich schätzte die Zeit, die ich hier für Gebet und Betrachtung hatte. Es tut gut, mit den Schwestern zu beten; und ich weiß, sie beten für mich, und das ist großartig. Sie interessieren sich für Neuigkeiten aus meiner Kongregation und dafür, dass wir uns auf eine Vereinigung mit anderen Kongregationen hinbewegen. Ich sage den Schwestern in Prouilhe, dass wir nie wissen, was Gott für uns auf Lager hat und mit was für Entscheidungen wir in Zukunft zu rechnen haben mögen.
Sie sind alle darauf erpicht Englisch zu lernen. Ich verstehe nicht viel Französisch, doch wie eine Dominikanerin aus der Schweiz, die hierher eine Wallfahrt machte, zu mir sagte: Mach dir nichts aus der Sprache. Danke Gott nur, dass du hier bist." Und das tue ich.
Das letzte Wort soll eine Pilgerin haben, Sr. Ruth Caspar O.P. von der Kongregation St. Mary of the Springs, Columbus, Ohio, USA:
Wie die Rucksacktouristen, die auf dem Weg nach Santiago de Compostela durch Fanjeaux kommen, kam ich während der Achthundertjahrfeier als Pilgerin nach Prouilhe. Es war das Jahr meines Goldenen Professjubiläums als Dominikanerin, und ich kam aus meiner Heimat in Columbus, Ohio (USA), um meine Exerzitien in der Gegend zu machen, wo der Orden und das erste Kloster der dominikanischen Nonnen
gegründet wurden. Ich hatte in IDI von dem neu gegründeten Zentrum in Fanjeaux für Historikerinnen des Predigerordens gelesen und erfuhr, dass es dort Zimmer für Studium, Forschung und Gebet gebe. Da ich unlängst unsere eigene Geschichte die der Dominikanerinnen von St. Mary of the Springs herausgegeben hatte, war ich darauf erpicht, dieses Projekt zu unterstützen und konnte mir für diese Exerzitien keinen besseren Platz vorstellen. SHOP (Sister Historians O.P.) nahm mich auf und stellte mir den geistlichen Raum zur Verfügung, den ich für diese Zeit des Gebets benötigte. Täglich schlossen wir uns zur Feier der Eucharistie und des Stundengebets der Kommunität von Prouilhe an. Ich hatte das Privileg, mehrmals allein zum Gebet im Haus des hl. Dominikus zu verweilen, den Hügel zum Seignadou hinaufzugehen und über die weitere Sendung dieses stets kraftvollen Predigerordens in der Kirche nachzudenken. Während ich täglich mit der internationalen Kommunität der Nonnen und mit Pilgern aus mehreren Kontinenten betete, zeichnete ich in meinem Exerzitientagebuch meine Erinnerungen an diese Zeiten und Räume, die unerwarteten Gnaden, die unvergesslichen Gesichter" auf.
__________________
* Heimatkloster der Priorin von Prouilhe, Sr. Catalina
ORIGINAL: ENGLISCH
BRIEF DES ORDENSMEISTERS BUENAVENTURA GARCIA DE PAREDES AN DIE ORDENSSCHWESTERN
I. FAMILIENGEIST
Obwohl alles, was wir in unserem mit den Akten des Generalkapitels in Ocaña an den ganzen Orden gesandten Schreiben gesagt haben, sich direkt und hauptsächlich auf die Ordensmänner bezieht, deren Leitung insbesondere unser Auftrag ist, ist all das ebenso sehr auf unsere Nonnen und Schwestern anwendbar. Deswegen meinen wir, unserer Pflicht nachzukommen, wenn wir auch ihnen dieses Schreiben zukommen lassen, wobei wir außerdem einige Worte über den Familiensinn anfügen, durch den wir alle als Nachfahren des gleichen hl. Vaters Dominikus notwendigerweise innig vereint sind.
Wir alle, denen mit Christus durch die Eingliederung in der hl. Taufe die Gotteskindschaft zuteil wurde, haben ebenso den Geist Jesu Christi empfangen. Durch diesen Geist bilden wir eine Familie, deren Haupt er ist. Und der Apostel lehrt, dass dieser Geist jedem von uns eingegossen wird, in dem Maße wie Christus ihn schenkt in Hinordnung auf die Vollendung seines mystischen Leibes, welcher die Kirche ist.
Die heiligen Ordensgründer empfingen diese göttliche Schenkung in reicherem Maß und in der Form, die ihnen einen gewissen spezifischen Charakter innerhalb der Kirche verleiht. Weil sie auserwählt wurden, wie damals Abraham, damit sie Väter vieler Völker seien, wurde ihnen Anteil an der geistlichen und göttlichen Vaterschaft gegeben, die sie in gleicher Weise zwecks geistlicher Zeugung vielen anderen weiterzugeben haben, so dass Ordensfamilien entstehen, die das Werk der Gründer in der Kirche
ohne Unterbrechung weiterführen.
Darin besteht die geistliche Abstammung jedes Ordens. Alle, die sich durch die Ordensprofess als Jünger einem Gründer angeschlossen haben, richten, während sie äußerlich dessen Habit tragen, ihr Ordensleben an der Observanz der grundlegenden vom gemeinsamen Vater empfangenen Normen aus, und so bilden sie innerhalb der großen christlichen Familie eine besondere und engere Familie. Jede Ordensfamilie besitzt den Geist ihres Gründers als Erbe. Davon lebt sie und bewahrt dank ihm durch die Zeiten hindurch den Charakter häuslicher Gemeinschaft zusammen mit dem spezifischen und unauslöschlichen Eigencharakter, der sie von anderen Ordensfamilien unterscheidet.
II. EINHEIT UND VIELFALT
Auch wenn aufgrund der Zeitumstände oder der besonderen Bedingungen der vielen und verschiedenen Dienste, die sie, gemäß dem Geist des Gründers zum Wohle des Nächsten verrichten, nicht alle unsere Schwestern Dominikanerinnen der unmittelbaren Jurisdiktion des Ordens unterstehen, noch in ihrer eigenen Leitung vom Ordensmeister abhängen, muss, damit der Orden ein einziger sei, trotzdem die wesentliche Einheit aller Zweige des dominikanischen Baumes unversehrt fortbestehen und unversehrt bewahrt werden. Wir sind tatsächlich Söhne und Töchter eines gemeinsamen Vaters. Wir freuen uns über diese Abstammung und wollen sie als heiliges väterliches Erbe allen vererben, die nach uns den apostolischen Geist empfangen und ihrerseits verbreiten sollen durch überreiches Fruchtbringen.
Die große Vielfalt im Orden bestehender Kongregationen und Institute tut in keiner Weise dieser Einheit des Ursprungs Abbruch, noch verändert sie Natur oder Qualität des Blutes, noch zerstört sie, was jeder Familie insgesamt zukommt, noch verhindert sie, dass die Bande kindlicher Zuneigung zum Oberhaupt der dominikanischen Großfamilie unversehrt bewahrt werden. Dieses einzigartige Blut, das durch die Venen des ganzen mystischen Leibes des Ordens fließt und für dessen Gesamtheit geistliche und religiöse Lebensströme mit sich bringt, ist in Wirklichkeit jener unerschöpfliche und immer Leben spendende Geist unseres hl. Vaters Dominikus. Es genügt nicht, sich für Söhne und Töchter des hl. Dominikus zu halten; es gilt, zum vollen Bewusstsein der dominikanischen Abstammung zu gelangen, so dass alle Mitglieder und alle Zweige des Ordens durch eine aufrichtige Brüderschaft vereint sind und die Unterwerfung aller, zumindest die moralische, unter die oberste Autorität des Ordensmeister als des legitimen Nachfolgers unseres hl. Vaters Dominikus gewahrt ist.
III. WIRKUNGEN
Das Dekret der Inkorporation und Angliederung an den Orden, den verschiedene dominikanische Kongregationen, die unter dem glorreichen Banner unseres Vaters errichtet wurden, um gemäß dem apostolischen Geist desselben den verschiedene Nöten dieser Zeiten abzuhelfen, vom Ordensmeister erbeten und erhalten haben, bewirkt hauptsächlich, dass eine lebendige Einheit mit unseren kontemplativen Nonnen und den Ordensleuten des I. Ordens besteht und diese anerkannt wird. Hinzu kommt eine sekundäre Wirkung, die in Wirklichkeit aus der ersten hervorgeht, nämlich gemeinsame Familienbande, Hinord-nung der verschiedenen Zweige aufeinander und Unterordnung aller Ordensmitglieder unter das Oberhaupt desselben. Und daraus folgt die Teilhabe am im Laufe von sieben Jahrhundert angehäuften Erbe, das einen überaus reichen Schatz an Gnaden und Verdiensten darstellt, an dessen Früchte uns zu erfreuen, wir das Recht haben, und das wir bewahren und mehren müssen, um es den künftigen Generationen mit noch höherem Wert zu vermachen.
Mehr als 5500 auf den ganzen Erdkreis und verschiedene Konvente und Häuser und in den Missionen bei den Ungläubigen verteilte Ordensmänner arbeiten im heiligen Dienst an den Seelen. Sie lassen die Erinnerung an die Drangsale der Vergangenheit hinter sich und kämpfen inmitten der Schwierigkeiten der Gegenwart, befleißigen sich jeden Tag mit größerem Eifer der Regularobservanz und setzen sich mit großem Eifer dafür ein, dass das Studium mehr und mehr aufblühe. Sie wirken zusammen für den Triumph der katholischen Sache und widmen sich jeder Art von apostolischem Einsatz gegen Irrtum und Laster.
Mehr als 4600 dem kontemplativen Leben geweihte Ordensfrauen leben zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen hinter Klostermauern als freiwillige Sühneopfer und Beterinnen. Tapfer durchleiden sie den Mangel an lebensnotwendigen Dingen und ertragen geduldig Vergessenheit und Verachtung seitens der Menschen unserer Zeit, die diese Art von Leben nicht versteht.
Die Zahl der auf verschieden Kongregationen und Institute verteilten Ordensfrauen unseres regulierten Dritten Ordens beläuft sich auf an die 24000. Sie üben ihre vielfältigen Tätigkeiten in allen Ländern sowohl unter Katholiken wie unter Protestanten und Ungläubigen aus und, vom Eifer der Liebe entflammt, helfen sie jeder Art geistlicher und körperlicher Not des Nächsten ab.
Die Wirkkraft des Ordens würde zweifellos gesteigert, wenn durch Gottes Huld alle Glieder des dominikanischen Heeres sich unter sich enger zusammenschließen würden. Und niemand würde dadurch eingeschränkt, im Gegenteil, es würde allen nützen. Umso fruchtbarer wäre das Wirken der Ordensleute, je inniger sie mit dem Opfer der kontemplativen Nonnen verbunden wären. Und umso größere Wirksamkeit es erlangte, desto intensiver wäre das Zusammenwirken der Ordensschwestern des aktiven Lebens mit ihm.
Vom Beginn unserer Amtszeit an war es unser Wunsch, diese engere Wirkungseinheit zu bewerkstelligen. In vollem Vertrauen zu unserem Herrn, zur Rosenkranzkönigin, unserer Mutter, und zu unserem hl. Vater Dominikus hoffen wir fest, dass sich dieser Wunsch trotz der alltäglichen Schwierigkeiten erfüllt von dem Augenblick an, in dem wir uns dem Orden anschließen, von dem einen Familiengeist ergriffen werden, die gleiche Liebe zum Gemeinwohl des Ordens in allen dominikanischen Herzen herrscht, die gleiche Begeisterung für das heilige, vom hl. Ordensgründer empfangene Apostolat wie eine Flamme in unserem Willen brennt, damit wir einmütig das Gleiche anstreben. Dieselben, wenn auch je nach der Verschiedenartigkeit des Nahzieles unterschiedlichen Einsatzmittel, weisen den gleichen spezifischen Charakter auf, insofern sie nach außen in Erscheinung treten;und hinsichtlich ihrer inneren Verfassung erhalten sie ihre Einheitlichkeit von der höheren Einheit, die ausgeht von dem einen Geist, der den ganzen Orden leitet.
IV. MITTEL ZU DESSEN STÄRKUNG
Was die Mittel anbelangt, die anzuwenden sind, um die Beziehungen unter den Zweigen und Mitgliedern des Ordens zu vermehren, um diese innigere, vollkommenere und fruchtbarere Einheit praktisch fortzuführen, bestimmen wir in Übereinstimmung mit dem vom im vergangenen Jahr in Ocaña gefeierten Generalwahlkapitel Vorgeschriebenen:
1. Dass nach Erhalt der Approbation durch den Hl. Stuhl die in allem, was auf die Nonnen anwendbar ist, gemäß unserer Konstitutionen abgefassten Konstitutionen unserer Nonnen so bald wie möglich veröffentlicht werden. Das genannte Generalkapitel ordnete an, dass den Konstitutionen der Nonnen der Titel Konstitutionen der Schwestern (gemäß dem neuen Recht Nonnen) des Hl. Orden der Prediger vorangestellt werde ohne irgendeinen anderen Zusatz wie etwa des II. Ordens, der seit einiger Zeit ohne ein echtes, in Gesetz und Tradition des Ordens gründendes Motiv verwendet wird.
2. Den Hl. Stuhl darum zu ersuchen, dass der Ordensmeister selbst oder seine Delegierten in den Konventen der Nonnen, die nicht unmittelbar der Jurisdiktion des Ordens unterstehen und um diese Visitation bitten, die kanonische Visitation durchführen kann. Diese wird die Jurisdiktion des Ortsordinarius nicht beeinträchtigen und wird nur dazu dienen, die Regularobservanz gemäß den Konstitutionen und den lobenswerten Gewohnheiten zu bewahren und zu fördern in Übereinstimmung mit dem von unserem hl. Gründer empfangenen und von der Tradition bestätigten Geist des Ordens, damit so der wahre und echte Geist weder entarte noch durch den Einfluss von unserem Orden fremden Gewohnheiten oder Gebräuchen fehlgeleitet werde. Von dieser kanonischen Visitation durch den Ordensmeister wird er der Hl. Religiösenkongregation Bericht erstatten.
3. Vom Hl. Stuhl zu erwirken, dass der Ordensmeister selbst oder seine vom Orden bestimmten Delegierten alle fünf Jahre in allen Instituten des regulierten Dritten Ordens sowohl päpstlichen wie diözesanen Rechts, die durch Dekret dem Orden affiliiert worden sind oder es in Zukunft werden, eine kanonische Visitation durchführen kann. Das einzige Ziel dieser kanonischen Visitation besteht darin, dass in den genannten Instituten der wahre Geist des Ordens gestärkt und bewahrt werde.
4. Alle Institute des regulierten Dritten Ordens, sowohl päpstliche wie diözesanen Rechts, die bereits durch Dekret dem Orden affiliiert sind oder dies künftig sein werden, können in ihren Dokumenten dessen eigenes Zeichen verwenden und ihm die eigenen Embleme des jeweiligen Instituts hinzufügen. Ebenfalls können die diesen Instituten angehörenden Schwestern die den Orden, nämlich den Predigerorden, bezeichnenden Worte oder in Kurzform die Initialen O.P. hinter ihren eigenen Vor- und Zunamen setzen und folgendermaßen unterschreiben: Sr. N.N. O.P.
5. Um diese Mittel leichter in die Praxis umzusetzen und um mit der geziemenden Sorgfalt für die Bewahrung der Familienbande zu sorgen und die innige Verbindung zwischen den verschiedenen Zweigen des Ordens zu fördern, um zu bewerkstelligen und aufrechtzuerhalten, was allen angemessen ist, errichten wir an unserer Generalkurie eine ständige Kommission, die aus drei stimmberechtigten Socien und einem Sekretär besteht, der auch der Sekretär unseres Generalrates ist. An die Kommission können sich die in aller Welt verstreuten Konvente unserer Nonnen und Institute des regulierten Dritten Ordens wenden. Gegenwärtig besteht die genannte Kommission aus:
M.R.P. Mtro. Fr. Luis Nolan, Provinzial von Litauen;
M.R.P. Mtro. Fr. Antonino Ricagno, Provinzial von Dacien;
M.R.P. Mtro. Fr. Juan Casas, Provinzial von Griechenland;
M.R.P. Lect. Fr. Manuel Montoto;
die drei erstgenannten als Stimmberechtigte und Letzterer als Sekretär.
Und nun, teure und überaus geliebte Schwestern und Töchter, bitten wir am Schluss dieses Schreibens, dass Sie dieses im Geiste empfangen mögen, der der brüderlichen Zuneigung und väterlichen Liebe entspricht, mit denen wir es geschrieben haben und Ihnen schicken.
Zum Zeichen und als Unterpfand unserer liebenden Zuneigung segnen wir Euch von ganzem Herzen und bitten Euch inständig um die Hilfe Eures Gebetes für uns, unsere Socien und den ganzen Orden.
FR. BUENAVENTURA GARCÍA DE PAREDES
Ordensmeister
L.+ S.
FR. MANUEL MONTOTO Sekretär